Donnerstag, 31. Dezember 2009

Good Stories

Schon seit Jahren, verfechte ich die manchmal recht einsame Idee, dass die Welt eine “bessere” wäre, würden in den Nachrichten und Medien prozentual gesehen, genauso viele positive wie negative Nachrichten gesendet. Im Moment schauen wir - die Ferien lassen grüssen - recht viel deutsches Fernsehen. Meine Kinder lieben die Märchenverfilmungen und das obwohl sie aus dem Alter längst heraus sind. Und so geschah es, dass ich mir seit Urzeiten mal wieder "Hallo Deutschland" anschaute.
Nach einer knappen viertel Stunde war mir nur noch schlecht!
Mord, Totschlag, Unfälle, Wohnungsbrände, und sonstige Gräueltaten ohne Punkt und Komma, dargeboten von einem mühsam lächelnden Reporter.
Wenn ein Franzose sich diese Sendung als repräsentativ für Deutschland  anschauen würde, hätte er ein fürchterliches Bild von meinem Heimatland.
Ich bin felsenfest davon überzeugt , dass die Welt nicht so schlecht ist, wie uns immer vorgegaukelt wird. Man muss sich nur ein bisschen Mühe machen und dann findet man die Stories, die einem zum lächeln bringen
Gestern entdeckte ich eine Webseite und jubelte: endlich eine Zeitung deren Macher so denken wie ich.






FROHES NEUES JAHR


Dienstag, 29. Dezember 2009

Weihnachten und der obligatorische Familienstreit

Ich war gerade dabei, die Küche zum hundertsten Mal aufzuräumen, wischte mir mit einem harten Papierküchentuch die Tränen von den rotgeheulten Augen, schnäuzte mir laut und kräftig die Nase und beschloss, es dem Rest meiner Familie gleich zu tun:
ich ließ alles stehen und liegen… und rief Beste Freundin im fernen Deutschland an.
Wir erzählten uns von unseren Weihnachtstragödien.
Von ungestümen und ungeduldigen, sich permanent streitenden Kindern.
Von Männern, die in ihren Köpfen ein eingebautes Disneyworld besitzen und es bewerkstelligen, an ihren Familien vorbei zu leben.
Wir schmissen telefonisch eine riesengroße Selbstmitleidsparty in denen wir als Stargäste glänzten, die  darum kämpfen, in diesem Geschenkpapier-Wirrwarr und Essensmarathon den Überblick zu behalten, das Haus nicht im Chaos versinken zu lassen und nicht in eine Depression zu verfallen, weil der geliebte Göttergatte als Beschäftigungstherapie im Garten, eine wunderschön gewachsene Edeltanne verstümmelt, damit man im Sommer besser Rasen mähen kann.
Wir erzählten von unseren mehr oder minder erfolglos Versuchen, Allen und Allem gerecht zu werden.
Von Rückenschmerzen, die sich, ohne jeglichen triftigen Grund, bis in die Ferse erstrecken.
Von dem Geschenkewahnsinn, den BF so treffend als „Werte- hin- und-her-Geschiebe“ bezeichnet.
Von der anscheinend obligatorisch damit verbundenen Enttäuschung, wenn das Geschenk nicht den Erwartungen entspricht und man sich hinterher beschwert, man hätte doch lieber ein Hüdelschnüdel als Schnüdelhüdel bekommen.
Von enttäuschten Verwandten, die nicht verstehen können, warum man sie nicht besuchen kommt.
Von dem schlechten Gewissen, nicht gleichzeitig auf allen Hochzeiten tanzen zu können und der Angst, dass es ja noch Silvester zu bewältigen gibt.
Wir seufzten, wir klagten, wir lachten und scherzten und trösteten uns mit dem Gedanken, dass der Spuk ja bald vorbei ist und wir mit neuem Elan in ein Neues Jahr durchstarten.
Danach ging es mir schon viel besser.
Manchmal ist geteiltes Leid halt doch halbes Leid.
Und das beste Geschenk an diesem Weihnachten war (und wird es jedes Jahr wieder) meine BF!

Sonntag, 27. Dezember 2009

AVATAR von James Cameron: Lohnt sich der Kinobesuch?

In Frankreich ins Kino zu gehen ist ein recht teures Vergnügen und so überlege ich mir vorher sehr genau, welchen Film ich unbedingt auf der großen Leinwand betrachten möchte.
Für AVATAR, dem neuen Film von James Cameron ließ ich meinem sonst so zugeknöpften Portemonnaie aber kein Mitspracherecht. Bei einem Preis von 11.70€ plus 1€ extra für die 3D Brille pro Mann und Nase zähle ich die saftige Ausgabe (= Preis mal 5 Familienmitglieder) einfach noch zu Weihnachten dazu.

Die große Frage, die ich nun stellt: hat es sich gelohnt?
Wer an dieser Stelle Begeisterungsstürme erwartet wird leider enttäuscht.
Zum einen ist 3D Kino immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Ich war die erste Stunde mehr damit beschäftigt, die Brille zu putzen, weil ich das Gefühl hatte, dass die zwei äußeren Drittel der Leinwand, die ich nur unscharf wahrnehmen konnte, von schmutzigen Gläsern herrührten.
Die Geschichte selbst ist eher dünn und sehr stereotyp.
Aus dem Kino wieder draußen durchsuchte ich meinen Kopf nach einem ähnlichen Film und erinnerte mich plötzlich an Winnetou und Old Shatterhand:
Ein Cowboy wird von Indianern aufgenommen, mutiert zum Blutsbruder des Häuptlings und bekämpft fortan die weißen Siedler und deren bösen, bösen Soldaten.
Wie schon bei Winnetou, gibt es natürlich auch bei Avatar einen ganz besonders fiesen Offizier, der einfach nicht sterben will und der bis zum Schluss alles malträtiert, was ihm im Weg steht.
In der zweiten Stunde zog die Geschichte endlich an, bekam Momentum. Ich vergaß, dass ich eine überdimensionale Ray Ban auf der Nase hatte und ließ mich von der wirklich fantastisch Computer animierten Welt von Pandora verzaubern.
Mein Fazit:
Hätte ich es besser gewusst, oder auf meine Kinder gehört: „Maman, tu va voir! 3D c’est nul!“,
hätte ich nicht nur mehr Spaß im anderen Kinosaal gehabt, wo der Film ohne 3D Effekt angeboten wurde, sondern auch mein Portemonnaie wäre nicht ganz so heftig geplündert worden.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Weihnachtsshoppen in Frankreich

Meine beste Freundin mailte mir kürzlich:
„Weihnachten wäre ohne dieses Geschenkegedöhns echt mein Lieblingsfest...“
Oh wie sprach sie mir aus der Seele!
Wie jedes Jahr bin ich auch dieses Jahr wieder spät dran mit den Geschenken.
Nicht ganz freiwillig.
Eigentlich wollte ich schon letzten Freitag – ja ich gebe es zu, das ist auch nicht gerade eben früh, aber immerhin -  endlich den dringenden Weihnachtskauf erledigen.
Da machte uns der Schnee einen Strich durch die Rechnung.
Dann wollten wir am Montag fahren. 
Da gab es Blitzeis.
Der Verkehr um Pont Audemer war völlig lahmgelegt. 
In der Côte de Quilleboeuf ging nichts mehr.
Über 20 Autos standen in alle Richtungen und drehten sich um die eigene Achse.
Die Straße schlängelt sich mit einem anständigen Gefälle in das Tal der Risle hinunter und wird bei solchen Wetterbedingungen für Autofahrer zu einer unüberwindbaren Falle. Wir hatten Glück und konnten im darüber gelegenen Dorf im letzten Moment gerade noch so herumdrehen. Nicht ohne ein paar bange Momente, in denen ich unser Auto, wie von Geisterhand geschoben, in den Straßengraben habe fahren sehen. Mit viel gerutschtem Geschiebe und der freundlichen Hilfe der Anwohner gelang es uns schließlich,  das Auto wieder auf die nicht gestreute und gesalzene, aber schnurgerade „Departementale“ zu schieben. Ganz vorsichtig tuckerten wir wieder nach Hause und saßen das verrückte Wetter einfach aus.
Gestern gab keine Ausreden mehr.
Auf mittlerweile wieder trockenen Autobahnen fuhren wir zum längst überfälligen Christmas-Shopping nach Le Havre, der zweit größten Hafenstadt Frankreichs.
Die Stadt ist mit ihrer betonklotzartigen Nachkriegsarchitektur gewöhnungsbedürftig.
Echte Havranaisen lieben ihre Stadt trotz oder gerade wegen des maritimen Feelings. Wir, die Zugereisten tun sich eher schwer und gehen zum shoppen lieber ins verwinkelte Rouen.
Mittlerweile ist mir Le Havre aber ans Herz gewachsen.

Die weitläufigen Boulevards machen das Einkaufen zwar nicht eben einfach: will man nicht zum Langstreckenläufer  werden, bleibt man am Besten entweder auf der einen oder auf der anderen Seite der Stadt. Aber gerade diese Weitläufigkeit sorgt dafür, dass man nicht nur nicht verzweifelt nach Parkplätzen sucht, sondern sich ein Gefühl von Luft und Weite breit macht, der sogar das vorweihnachtliche Shoppen, wenn zwar nicht gerade zum Vergnügen, dann aber doch erträglich macht.
Nichts desto trotz: ich bin  heilfroh, dass ich das Geschenkegedöns, bis auf Kleinigkeiten, endlich hinter mir habe.
Und wie jedes Jahr habe ich mir auch dieses mal wieder geschworen:
im nächten Jahr fang ich früher damit an.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Schnee in Frankreich:ein Specht im Garten







Don Quichotte lebt in Frankreich

...und ich bin seine Reinkarnation
Zumindest fühlt es sich seit genau zwei Tagen... die Ferien in Frankreich haben angefangen...genau so an.
Anders kann ich es mir nicht erklären, warum ich ständig versuche gegen meine Teenager-Tiere-Ehemann-Windmühle anzukämpfen.
Es nützt alles nichts.
Ich muss mich wohl damit abfinden, dass jeder, außer mir, alles stehen und liegen lässt und mein Haus die nächsten zwei Wochen in einem heillosen Durcheinander versinken wird.
Ich finde es eine schreiende Ungerechtigkeit: meine geliebten Mitbewohner können morgens in aller Ruhe aufstehen, sich überlegen, was sie machen wollen und dann mit ihrer Beschäftigung loslegen.
Ich sage ja nicht, dass diese jeweiligen Beschäftigungen unnütz sind.
Mein Mann wird wieder irgendetwas, seit Wochen Kaputtes reparieren. Das ist wichtig!
Große Tochter kümmert sich bei dieser klirrenden Kälte um die Pferde und die eingefrorenen Wasserbehälter. Kein Zuckerschlecken im Moment.
Kleine Tochter, die gestern wohlbehalten aus England eintrudelte, geht erst mal ihren Freund besuchen. Das ist nach vier Wochen Abwesenheit lebensnotwendig. Mein Mutterherz versteht das voll und ganz.
Sohnemann ist mit den Schneemassen, sich darin austobenden Hunden und Schneemann bauen beschäftigt. Auch hier ruft mein verräterisches Herz erfreut: "Ach wie niedlich!"
Mein Verstand allerdings, schaut sich in der Bude um, sieht nur Chaos und vom Schneematsch eingesudelte Böden um sich herum und fragt verstört: Und ich?
Ich würde mich gerne dem neuen Projekt für meine Schule widmen.
Nach den Ferien habe ich wieder 8 neue Abiturientinnen, denen ich auf dem Gymnasium Scrapbooking-Kurse gebe.
Die "alten" haben mir übrigens vor den Ferien eine sündhaft teure Pralinenschachtel gekauft: sie würden sich in meinem Kurs pudel wohl fühlen und die Stunde sei immer viel zu schnell vorbei.
Hach – mir wurde richtig warm ums Herz.

Aber bevor ich mir wieder was Nettes für die Mädels ausdenken und ich mich in meinen Workshop verziehen kann, muss ich…aufräumen!
Meine deutsche Gründlichkeit steckt mir einfach zu sehr in den Knochen, und der Gedanke etwas „Neues“ anzufangen bevor das „Alte“ nicht wenigstens teilweise weggeräumt ist, geht mir gegen den Strich. Auch wenn es sich bei dem „Alten“ um die auf die Geschirrspülmaschine gestapelten Teller handelt.
Warum kann man die nicht gleich in die leere Maschine räumen?
Warum bleiben die Schuhe, Mäntel und Mützen immer auf dem Esszimmer-tisch liegen, anstatt sie gleich in die Garderobe zu räumen?
Warum verteilt sich die ausgezogene Unterwäsche im ganzen Badezimmer, anstatt in dem dafür vorgesehenen Korb zu landen?

Ach... ich gebe es auf…………. und ich habe beschlossen:
Ich mache Ferien, wenn die Ferien wieder rum sind.

Freitag, 18. Dezember 2009

Météo France und der Schnee in Frankreich

Météo France hatte doch recht !
Heute morgen ist unser Garten in eine 5 Zentimeter geschlossene Schneedecke eingehüllt.
Das gab es noch nie so früh im Winter.
Zumindest nicht solange wir schon in der Normandie leben.
Schnee kommt hier, wenn überhaupt, meist erst so gegen Februar oder Anfang März.
Noch ist es dunkel und ich warte ungeduldig auf die ersten Sonnenstrahlen, damit ich Fotos machen kann.
Mein Sohn ist stinksauer als ich ihm sage, dass ich ihn nicht in die Schule bringen werde.
Unsere Hinterwäldler Landstraßen sind mir einfach zu unsicher. Ich komme vielleicht noch ins Tal (Valée de la Risle) hinunter, aber wieder herauf ... ?
Es sei sein letzter Schultag vor den Winterferien und er wolle in die Schule!
Habe ich da was verpasst?
Seit wann ist Schule schwänzen unpopulär geworden?
Wartet vielleicht eine kleine Französin auf ihn?

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Schnee in der Normandie: "Alerte Orange"

Gestern Abend hatte ich Streit mit meinen Kindern.
„Ach Mami“, kam es aus zwei Mündern – der dritte ist noch immer in England :„Du bist so negativ!"
Ich negativ?
Das ist eine Unverschämtheit!
Bin ich doch der positivste Mensch den ich kenne. Das können sogar meine Freunde bestätigen!
Aber Teens und Twens leiden ab und an mal unter Wahrnehmungsstörungen.
Da wird Mama schnell zum Buhmann, wenn sie sagt was den Kids nicht in den Kram passt.
Um was der Streit ging?
Na um die „Alerte orange“ , die Météo France gestern Abend herausgab.
Lokal wurden 5 Zentimeter - ich wiederhole 5 Zentimeter - Schnee angesagt und die Schulbusse vorsichtshalber gleich alle gecancelt.
Ach ja, und an den Flughäfen geht voraussichtlich auch gleich gar nichts mehr.

Es ist jedes Jahr das gleiche Theater.
Kaum zeichnet sich eine Schneeflocke am Horizont ab, bricht in Frankreich die große Panik aus. Wagen es die frechen Schneeflocken dann auch noch, sich zu einer geschlossenen Schneedecke zusammen zu schließen, bricht der gesamte Verkehr zusammen.
Wie machen die Leute das eigentlich in Bayern, in der Schweiz, in Österreich, Schweden, Norwegen oder Canada?
Auch in meiner Geburtsstadt in Hessen geht das Leben relativ normal weiter.
Und dort schneit es, wenn es schneit, wenigstens richtig.
Ich sollte recht behalten.
Heute Morgen habe ich aus dem Fenster geschaut und was ich zu sehen bekomme, wird meine Kinder aufs Tiefste enttäuschen.
Der Schnee ist meines Erachtens nicht der Rede wert.
Aber die Schulbusse fahren trotzdem nicht.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Wenn Kinder gross werden

Gestern Abend rief Kleine Tochter aus England an. Sie ist seit drei Wochen in einem Vier Sterne Hotel in Maidstone in der Nähe von London und macht ein Praktikum für ihr Studium im Hotel-Management. Sie fühlt sich pudelwohl, der Hoteldirektor ist sehr zufrieden und sie hat sich mittlerweile so gut eingelebt, dass sie am liebsten noch bleiben würde. Gestern Abend erzählte sie mir aber, dass der Direktor sie in der vorhergegangenen Nacht ins örtliche Krankenhaus hatte bringen müssen. Mitten in der Nacht hatte sie eine Mittelohrentzündung bekommen und dabei sei ihre  Zunge so angeschwollen, dass sie kaum noch Luft bekam.
Ich lauschte erschrocken ihrem Bericht  und fühlte ich mich schlagartig total hilflos.
Seit meine Kinder groß sind, leide ich unter massivem Kontrollverlust.
Eine Freundin aus Lisieux wird sich, sollte sie diese Zeilen lesen, ins Fäustchen lachen.
Wir hatten vor circa einem Jahrzehnt eine freundschaftliche Auseinandersetzung darüber, welche Kinder die „besseren Kinder“ sind. Sie stand auf dem Standpunkt, dass ihre Kids nicht lange genug klein bleiben könnten, während ich es nicht abwarten konnte große Kinder zu haben. Mit denen kann man wenigsten was anfangen, muss nicht permanent Taxi fahren und muss nicht mehr mit unkontrollierten Wutausbrüchen mitten im Supermarkt fertig werden, argumentierte ich.
Aber einmal groß, dann ist das Haus so leer und so ruhig, hielt sie dagegen.
Gut! Mit einem leeren Haus kann ich gut leben, heißt das im Klartext für mich, dass es schön aufgeräumt bleibt. Und still ist es auch nicht gerade. Dafür sorgen schon die Hunde und die Katzen.
Aber heute weiß ich, was sie damals wohl schon geahnt hat und es nur nicht in die richtigen Worte fassen konnte.
Es ist noch keine Woche her, das sagte ich zu Große Tochter sehnsüchtig:
Ach ich wünschte, ihr wärt noch klein!
Auf ihren erstaunten Blick hin, versuchte ich ihr zu erklären, dass ich  das Gefühl habe, als entgleiten mir die Lebensfäden meiner Kinder. Als sie alle drei noch klein waren, habe ich sie morgens in die Schule gebracht und abends wieder abgeholt. Ich wusste immer wo sie waren – maximale Entfernung 5 Kilometer- und wenn sie krank waren oder sich sonst irgendwie unwohl fühlten, hatte ich direkten Einfluss auf das Geschehen.
Heute sitze ich 800 Kilometer entfernt, völlig ahnungslos auf dem Festland, während eins meiner Kinder auf der dussligen Insel fast an ihrer eigenen Zunge erstickt. Und weit und breit keine Mummy, die sie tröstend in die Arme nimmt und sich darum kümmert, dass sich der Arzt genauso kümmert.
Ja! Die Zeit mit drei kleinen Kindern unter 10, mit einem Mann der wochenlang auf Geschäftsreise ist,  war teilweise chaotisch, nervenaufreibend und ermüdend…
Aber Mann -was bin ich froh wenn ich Kleine Tochter in knapp einer Woche wieder unter meinen Fittichen habe!

Montag, 14. Dezember 2009

Teenager und Kälte sind inkompatibel.

Ich habe es heute morgen wieder einmal bestätigt bekommen!
Teenager leiden definitiv unter Wahrnehmungsstörungen.
Ich bin morgens als Erste wach und nachdem ich die Hunde in den Garten gelassen, das Teewasser aufgesetzt und die Katzen gefüttert habe, werfe ich unsere Heizung an.
Die ist zwar alt, und alles andere als ökologisch auf dem neuesten Stand, aber sehr zuverlässig.
In den zwanzig Jahren in denen wir in diesem Haus leben, hat sie uns nur ein einziges Mal hängen lassen. Und sogar das war selbstverschuldet: die Kinder dachten, an einem kühlen Sommermorgen, die Heizung anwerfen zu müssen.  Dabei vergaßen sie, dass ihr Vater das Wasser zu Reparaturzwecken abgelassen hatte. Die Heizungspumpe drehte unbemerkt ein paar Stunden ziemlich trockene Runden, bis sie ihren Geist aufgab. Dass wir das erst bemerkten, als ein eisiger Winter schon energisch an die Haustür klopfte, ist eine andere Geschichte.
Bis sich die alten gusseisernen Heizkörper erwärmen, dauert es ein bisschen.
Bis sich dann die Temperaturen im Haus so anfühlen, dass man den wollenen Nierenschoner und die Strickjacke ausziehen kann, dauert es nochmal einen Tick länger.
Ich bin schon eine Stunde wach.
Dementsprechend läuft auch die Heizung und wieder dementsprechend sind die Raumtemperaturen nicht mehr im 'Ich-fühle-mich-als-sässe-ich-im Eisschrank-Bereich', als Sohnemann die Treppen herunter schlurft und sich beschwert, wie kalt es doch sei.
Ein kurzer Blick auf den schlaksigen jungen Mann vor mir, bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen:  in einem grauen T-Shirt - hallo: es ist der 14. Dezember! - und der Jeans, die ich gestern Abend erst spät aufgehängt hatte - und nochmal hallo: die ist mit Sicherheit noch nicht ganz trocken! - steht er vor mir.
"Kind! Es ist Winter! Da musst Du Dir einen Pullover anziehen?! Und wieso ziehst du die noch feuchte Jeans an?"
Er hätte nur die eine Jeans und er würde ja noch seine Jacke anziehen.
Besagte Jacke ist ein Sommer-Herbst-Übergangs-Blouson... und das mit der einen Jeans ist eine aalglatte Untertreibung.
Sprachlos zucke ich mit den Schultern und schüttele resigniert den Kopf.
Mit einem 15jährigen, männlichen Teenager zu diskutieren, ist ungefähr so sinnvoll, wie von meinen Katzen zu verlangen, sie sollen keine Mäuse fangen, da sie doch das leckere Dosenfutter bekommen.
"Na ja, du musst mit dem Schnupfen und dem Husten und dem Fieber klar kommen, wenn es dich erwischt", kann ich es mir nicht verkneifen, doch noch einen Versuch zu starten, ihn zum sich umzuziehen zu bewegen.
Das einzige Zugeständnis seinerseits ist ein Schal.
"Zieh doch die Sweatshirt-Jacke an. Zumindest solange, wie du noch im Haus bist", schlage ich ihm, nicht ohne Hintergedanken, vor, zeige dabei auf die von gestern liegengebliebene Jacke auf dem gegenüberliegen Stuhl und stelle ihm den heiß dampfenden Kakao auf den Tisch.
"Die ist hässlich", ist seine kurze Antwort
Anmerkung der Redaktion: Die Jacke wurde erst vor zwei Monaten auf Bitteln und Betteln meines Sohnemanns in einer sündhaft teuren Boutique gekauft...
Ich verkneife mir jegliche Antwort.
Bei Diskussionen mit meinem Sohn ziehe ich sowieso den kürzeren.
Mit einem trotzigen:" Ich ziehe sie nur so lange an wie ich noch zuhause bin" greift er dann aber doch nach der Jacke. Ich drehe ihm den Rücken zu und verstecke so mein triumphierendes Lächeln.
Die morgendliche Routine nimmt ihren Lauf und ich bringe Sohnemann in die Schule.
Als ich eine halbe Stunde später, vom ersten Morgengrauen begleitet, wieder nach Hause komme, sehe ich, dass er "vergessen" hat, die Jacke wieder auszuziehen.
Ha!
This made my day!
Sieg auf ganzer Linie!

Sonntag, 13. Dezember 2009

Wenn die Spezialisten zu spezialsiert sind

Ich habe eine ganz liebe Hausärztin.
Sie ist noch eine von der Sorte, wie es sie in den schnulzigen Vorabendserien im Fernsehen gibt.
Landärztin Frau Doktor Sowieso: nett, freundlich, immer ein offenes Ohr, mit genügend Zeit für mich, und sie hat - ist in meiner kleinen Normandie nicht immer selbstverständlich- mit alternativen Heilmethoden kein Problem.
Kritisch wird es für mich nur dann, wenn sie glaubt, mit ihrem Latein am Ende zu sein und mich an einen Spezialisten weiterleitet.
Jetzt mal abgesehen davon, dass sich all die Rheumatologen, Dermatologen, Postologen und  sonstige ....olologen im jeweils 40 km entfernten Rouen, Lisieux, Deauville oder Le Havre tummeln und dementsprechend meist ein ganzer Tag verplant ist, kann ich nicht umhin mich zu fragen, ob sich diese ganze Spezialisiererei wirklich lohnt. Was ich dort in den letzten Jahren an "Hilfe" bekommen habe, hätte ich mir sparen können.
Von den ach so kompetenten "Spezialolologen" wurde ich gescannt, geröngt, gecomputertomographiert, massiert, gestreckt, gespritzt und mit Tabletten so vollgepumpt, dass mich die Nebenwirkungen prompt wieder zu einem Spezialisten beförderten, der dann, wie seine Kollegen vor ihm, mich wieder aufs Neue scannte, röntgte und computertomographierte. Auf die Idee die Beipackzettel meiner Medikament mal genauer durchzulesen, um eventuelle Nebenwirkungen abzuchecken, kam der gute Mann erst gar nicht. Ganz im Gegenteil. Was und wieviel ich an Tabletten in mich hineinschluckte, schien er nicht wirklich wissen zu wollen. Ehe ich mich versah hatte ich wieder eine Überweisung am Hals die mich durch die Röhre - und das meine ich jetzt wortwörtlich- schauen lies.
Und da fragen sich die Franzosen alle ganz verwundert, warum die "Securité Sociale" kurz vor dem Konkurs steht?
Nach 2 Jahren Odysee hatte ich die Schnauze gestrichen voll und heute lebe ich, mehr oder weniger glücklich, mit meinen Rückenschmerzen. Ich tröste mich mit der Tatsache, dass ich dieses Los mit tausend anderen Mitmenschen teile. Heute weiss ich, dass mein Rücken der Gradmesser für mein seelisches Gleichgewicht ist. Wird der Druck zu gross, protestiert er lautstark. Reduziere ich den Druck, beruhigt sich mein Rücken wieder.
Was mich dabei eigentlich wirklich ärgert ist, dass ich das ganz alleine heraus finden musste. Keiner der Spezialisten kam ein einziges Mal auf die Idee zu fragen, was in meinem Leben so abgeht. Statt dessen wurde ich mit medizinischen Ausdrücken bombardiert und mit Tabletten so zugedröhnt, dass mir Hören und Sehen verging.

Verliebt in Pont Audemer

Es ist wieder soweit.
Weihnachten steht vor der Tür.
Ich muss an dieser Stelle meiner kleinen, französischen Stadt ein ganz dickes, fettes Lob aussprechen. Meine Güte, haben die sich dieses Jahr ins Zeug gelegt!
Es glitzert… und leuchtet… und strahlt… an allen Ecken und Enden der Stadt. Selbst die Schaufenster der Geschäfte bersten geradezu  mit überschwänglicher Weihnachtsverzierung.
Auch haben, so kurz vor Weihnachten, schnell noch ein paar neue Geschäfte aufgemacht.
Das erste scheint direkt aus England importiert und hat mich und meine kleine Tochter in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen lassen. Aus unseren Mündern hörte man nur Ahs und Ohs und begeisterte Hach-guck-doch-mal.
Auf zwei Etagen, innen in edlem Grau und Weiß gehalten, vollgestopft mit so vielen wunderschönen, herrlich unnützen Dekorationsartikeln, von der witzigen, kugelrunden Teekanne bis hin zum Wandgemälde, hatte ich das Gefühl, eine kleine, vorwitzige Fee, hätte uns eben mal kurz auf die britischen Inseln gebeamt.
Das zweite, ein Spielzeugladen,  randvoll gefüllt mit bunten Holzspielartikeln, erinnert mich irgendwie an den Holzschnitzer Geppetto. Man hat den Eindruck, Pinocchio kommt jeden Moment um die Ecke.
 Ob sich die Geschäfte auch noch nach dem Weihnachtsrausch halten können, werden wir sehen. Leider machen die „neuen“ Geschäfte meist genauso schnell wieder zu, wie sie aufgemacht haben. Der Franzose ist ein Traditionstier und braucht relativ lange, bis er sich an etwas Neues gewöhnt hat. Als neuer Geschäftsinhaber verlangt es einen sehr langen Atem und auch den nötigen finanziellen Rückhalt, bis sich das Misstrauen der Kunden in Akzeptanz oder sogar Liebe verwandelt.
So habe ich vor ein paar Tagen bemerkt, dass der, vor eins zwei Jahren aufgemachte Mosaikladen und ein Steingutladen schon wieder verschwunden sind. Auch an dem Fenster des Nagelstudios auf der Hauptstraße steht geschrieben: pas-de-porte à vendre, was soviel heißt wie: es steht zwar nicht das Geschäft selbst, aber die Nutzung der Räumlichkeiten zum Verkauf.
Drei Läden in einem Jahr - das ist schon heftig.
Von diesem Wehmutstropfen aber abgesehen, hat sich meine kleine Stadt, versteckt im Dreieck zwischen Rouen, Le Havre und Caen, zu einem richtigen  „Bijou“, einem Juwel entwickelt.
Als wir hier vor über 20 Jahren ankamen, war Pont Audemer zwar niedlich, aber auch hoffnungslos heruntergewirtschaftet. Man versuchte sich gerade damit abzufinden, dass eine der größeren Fabriken, die jahrhundertealte Eisengießerei (nur wenige Jahre darauf  auch noch die Papierfabrik) auf immer ihre Pforten schließen musste und hunderte Menschen arbeitslos wurden. Für eine Kleinstadt wie Pont Audemer kann so etwas der Todesstoß werden. Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit breiten sich wie eine Welle auf all die kleinen Geschäfte im Zentrum aus. Wer kein Geld hat, kann nicht mehr einkaufen und die Einzelhandelsgeschäfte bekamen es selbst mit der Angst zu tun. Weihnachtsdekoration war zu dieser Zeit ein paar wenige, sehr müde Lichterketten und der ein oder andere verstaubte Plastiktannenzweig. Ich erinnere mich, wie ich in den ersten Jahren mächtig Heimweh nach unseren deutschen Weihnachtsmärkten bekam. Da nützte auch die plärrende Weihnachtsmusik aus den schnarrend klingenden Lautsprechern nichts. 
Ich war heilfroh, wenn der Spuk endlich wieder vorbei war.
Aber wie ein kleiner Phoenix aus der Asche und mit Hilfe einiger kluger Köpfe im Rathaus, besann man sich auf das touristische Potential und fing an, umzudenken. Heute nennen wir viele neue, teilweise exotische bepflanzte Kreisel unser eigen, die dafür sorgen, dass der Verkehr flüssig um die Stadt gelenkt wird. Der Tourismus, der sich in den letzten Jahren breit gemacht hat, sorgt dafür, dass der Rubel wieder rollt und die Geschäftsleute den wiederum in Weihnachtsschmuck investieren.
 Man kann zurzeit nicht umhin, wie ein kleines Kind, mit offenem Mund durch die Straßen zugehen.
Auch wenn ich den blauen Lichterhimmel, der sich die ganze, lange Rue de République entlang zieht immer noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig finde, so ist abends der Rest der Straßen in wunderschönes, schillerndes, weißes, weihnachtliches Licht gehüllt.
Jetzt fehlt mir eigentlich nur noch der Duft von Glühwein und Lebkuchen und ich wäre restlos häppy!

Samstag, 12. Dezember 2009

Zuverlässiger Lieferservice und 250 Kilo

Am Montag erhielt ich einen Anruf von dem Zusteller-dienst, der uns den Ofen aus dem fernen Schottland liefern sollte. Wir einigten uns auf Mittwoch. Der Mittwoch kam und ich saß und wartete...und wartete...und… wartete!
Abends um 8 hatte ich nicht nur die Hoffnung aufgegeben, dass sich ein Laster unsere Auffahrt herauf quälen würde, sondern ich war auch sauer.
Ich habe ja Glück, bin ich zurzeit wieder freiberuflich zu Hause tätig, aber was, wenn ich noch im Hotel arbeiten würde und mir extra einen Tag hätte freinehmen müssen?
Kein Anruf, keine Entschuldigung, kein neuer Termin.
Gut, sagte ich donnerstags zu mir und meiner großen Tochter, wenn sich bis Freitag niemand meldet, dann rufe ich halt in Schottland an. Sollen die sich mit dem Liefer-Service in Verbindung setzen.
Da freuen sich die Franzosen.
Sind sich Engländer und Franzosen doch nicht besonders grün.
Kaum gesprochen, rumpelt es vor unserer Tür. Völlig unangemeldet schwankt ein Riesenlaster die Auffahrt hoch.
Kann mir mal jemand verraten, welch cleverer Mensch diese Transporte koordiniert?
Nicht nur, das der Fahrer Glück hatte, überhaupt jemanden anzutreffen, aber der Laster war haushoch und ellenlang!
Man sollte meinen,  Franzosen wissen, wie Franzosen leben.
Wir leben auf dem Land!
In Dörfern, die zwar von der Einwohnerzahl relativ klein sind, die Fläche, die ein einziges Dorf aber einnehmen kann, ist gewaltig. Unseres wird zum Beispiel, einmal sauber mittendurch, von der Autobahn in zwei Teile getrennt. Fährt man von einem Ende des Dorfs zum anderen, ist man locker eine halbe Stunde unterwegs. Nicht zuletzt auch, weil die vielen kleinen ‚Hameau‘ (das Dorf im Dorf) in die unsere Kommune unterteilt ist, nur durch sich schlängelnde, enge, manchmal nur dürftig geteerte Sträßelchen verbunden sind. Die wiederum bahnen sich ihren Weg durch die meist höher gelegen Felder. Auf beiden Seiten befindet sich dann die berühmte „Bocage“ Das sind höher gelegene Wälle, meist noch mit Bäumen oder Holundersträuchern bepflanzt und eine ganz, typisch nord- und westfranzösische Tradition, Felder einzugrenzen. Sie dienen nicht nur dazu, die Tiere auf den jeweiligen Weiden zu halten, sondern waren‚ und sind es heute immer noch, ein natürlicher Windschutz.
Wenn man sich nun als Autofahrer auf einen dieser Straßen befindet, die rechts und links mit diesen bocage  eingeengt sind und ein Traktor kommt, dann wird es….na ja… eng. Sehr eng.  Laster dürfen auf diesen Straßen nur dann fahren, wenn sie zuliefern.
Aber die armen Fahrer schwitzen Blut.
Denn wenn die Straßen schon eng sind, dann sind die Kurven und die Zufahrten zu den jeweiligen Grundstücken gänzlich unmanövrierbar. Sie kommen vielleicht gerade noch so in die Grundstücke hinein, raus geht es aber nur noch im Rückwärtsgang. Der Fahrer unserer Müllabfuhr kann ein Lied davon singen und ist ein echter Profi im Rückwärtsfahren.
Der Fahrer des schottischen Ofens schaffte es mit Ach und Krach und mit sehr viel Vor und Zurück einmal um unser Haus. Den Ofen hat er uns, ohne viel Zeit zu verlieren, auf den Kiesweg abgeladen.
Da steht er nun!
Der gute Mann ist nämlich nur für die Zulieferung zuständig.
Wie wir Mädels das Teil – es wiegt sage und schreibe  250kg -  nun in unser Haus bugsieren sollen, ist unser Problem. Das juckt den Fahrer nicht die Bohne.
Mein geliebter Göttergatte ist, wie so oft in solchen Situationen, außer Haus. In diesem Fall sogar außer Landes. Voraussichtlich noch ein paar Wochen. Ob die Frauen, deren Männer jeden Abend nach Hause kommen wissen, welches Glück sie haben?
Nun haben wir also unseren wunderschönen Mini Aga!
Der, der unser Haus so schön pudelig warm heizen soll.
Und der steht jetzt draußen im Garten!
Da steht er super gut – nur nützen tut er mir da nichts.
Ach ich liebe meinen Mann und seine genialen Einfälle!

Freitag, 11. Dezember 2009

Holzhaus in der Wintersonne

Hach was ist es so aufregend!
Heute morgen ging die Sonne am winterlichen Nebelhimmel auf und kaum konnte man die Augen vor der Hand erkennen, erschienen meine Leutchen die mein Holzhaus bauen.
Ich kann meinen Augen kaum trauen so schnell schreiten die Arbeiten fort. Ich bin schon ganz hippelig vor lauter Freude, dort bald meine Kurse abhalten zu können.

Ich habe gleich meinen Mann in England angerufen, um ihm zu sagen, dass er mir von dort unbedingt Holzfarbe mitbringen soll, die ist dort um ein wesentliches günstiger.
Ist es nicht ein idealer Tag um ein Häusle zu bauen?


Donnerstag, 10. Dezember 2009

Früher war alles viel besser?

Ich hatte gestern einer dieser Internetrundschreiben in meinem Postkasten.
Die von der Sorte: früher war alles viel besser!
Früher ging man in den sympathischen Käseladen, mit der sympathischen Verkäuferin, die einem sympathischen Käse verkauft.
Heute geht man in den schrecklichen Supermarkt, in dem man mit einem schrecklich funktionierenden Einkaufswagen, mit vielen anderen schrecklichen Leuten an der schrecklichen Kasse, schrecklich lange warten muss warten muss.
Früher flog man mit einer sympathischen Stewardess, in einem netten kleinen Flugzeug und bekam Sterne Koch-Essen serviert.
Heute fliegt man im schrecklichen Großraumflieger, mit genervten Flugbegleiterinnen, die gequält lächelnd dem Gast in Plastik gehüllte, undefinierbare Mahlzeiten servieren.
Ich habe nur der ersten paar Zeilen gelesen.
Dann fand ich, hatte ich genug.
Ich kam mir vor wie bei meiner Oma, die mir als Jugendliche immer von den besseren Zeiten vorschwärmte und, somit schlussfolgernd, die Zeit, die sie gerade mit ihrer Enkelin verbrachte, als schrecklich empfand. Wenn es mich gar zu sehr nervte, bekam sie von mir folgende Antwort:
„Klar Ömchen! Früher war alles besser! Mit zwei Weltkriegen im petto, war das Leben damals die reinste Freude!“
Hinterher hatte ich, ob meiner patzigen Reaktion ein schlechtes Gewissen, schließlich war meine Oma damals um die achtzig und sie hatte natürlich das Recht, mit einer rosaroten Brille ihre Jugend zu betrachten.
Gestern stellte ich mir vor, wie dieses Rundschreiben, die vielen kleinen Computerleins erreicht und die Leser dieser Mail , wie meine Oma, wehmütig lesend, innerlich permanent zustimmend mit dem Kopf nicken. „Ach ja 1969 war alles besser!“ Eigentlich fehlen den Lesern nur noch die überdimensionale Brille und die kurzen, mit fester Dauerwelle eingedrehten, silbergrauen Haare!
Mal ganz abgesehen davon, dass 1969 dieses Rundschreiben keine Computer erreicht hätte - darf ich daran erinnern, dass es die damals in der jetzigen Form noch nicht gab - ich bin doch noch keine 80jährige Oma!
Ist denn die zunehmende Angst vor Veränderung nicht ein Zeichen dafür, dass wir alt werden?
Ich fühle mich mit meinen 50 und paar Zerquetschten aber ehrlich gesagt noch quietschfidel und hätte überhaupt keinen Bock darauf, in einer Zeitmaschine ins Jahr 1969 zurückzureisen.
Mit ein bisschen Pech würde ich nämlich mitten im Vietnamkrieg landen!
Wer Lust hat, kann bei Wikipedia – gab es früher übrigens auch nicht! -  nur mal das Jahr 1969 nachlesen und merkt schnell: rosige Zeiten waren früher! Politisch gesehen, war da nämlich die Hölle los.
Aber genau das  ist doch der springende Punkt.
Rosige Zeiten waren immer früher!
Wenn unsere Kinder mal Großeltern sind, werden sie an heute zurückdenken und sagen:
Ach Kind, was ist die heutige Zeit so schrecklich! Früher war alles viel schöner!

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Aga Cooker

Schon seit ich meinen Lieblings-Schotten kenne schwärmt er von einem Aga – Cooker.
Das ist ein englischer Herd. Den findet man entweder in Schlossküchen romantischen Liebeschnulzen aus vergangenen Jahrhunderten oder in den umgebauten Landhäusern englischer Lottomillionäre. Diese Teile sind nicht nur sauschwer und riesengroß, sonder auch schweineteuer.


Während mein Schotte immer nur von den Vorzügen schwärmt  - man kann kochen, backen und gleichzeitig das ganze Haus damit heizen – konnte ich beim besten Willen nicht davon überzeugt werden, dass es eine tolle Sache ist, im Herd erst einmal auf traditionelle Weise mit Holz Feuer zu machen, bevor ich mit dem Kochen anfangen kann. Ich kann kochen sowieso nicht leiden. Und da soll ich vorher erst noch Holz hacken?
Aber Träume sind wie Träume eben sind.
Manchmal werden sie wahr.
Manchmal sind sie den Umwelteinflüssen ausgesetzt.
In diesem ganz speziellen Fall, dem Veto der treuliebenden Ehefrau des Schotten.
Ein schlossähnliches  heizendes Ungetüm will ich nicht in meiner Küche. Das ist mein Bereich, auch wenn ich gezwungenermaßen – ich kann meine Familie ja schlecht verhungern lassen -  nur ungerne Zeit in ihr verbringe, so bestimme ich was, wie und wo dort hineinkommt.
Punkt. Ausrufezeichen.
Aber unser Haus hat Kamine.
Vier Stück, um genau zu sein, und die sind seit  Jahrzehnten stillgelegt und mit verstaubten Trockenblumen dekoriert.  Wie gesagt – Holz hacken ist nicht mein Favorit, wenn es um körperliche Ertüchtigung geht. Außerdem haben sie alle bis auf einen irgendwie Macken. Mache ich beispielsweise den Kamin im Wohnzimmer an, hüllt sich das Zimmer meines Sohnemanns, ein Stockwerk höher, in Räucherschwaden, die jeden Lachszüchter glücklich machen würden.
Die Schornsteine sind nicht mehr die Jüngsten und die Reparaturen kostspielig.
Ergo Trockenblumen.
Oder aber, sagte mein Göttergatte listig, man könnte den Aga dort hineinstellen.
Er ließ aber auch nicht locker.
Wir einigten uns auf einen Kompromiss.
Kompromisse sind gut – und sehr erträglich, wenn sie innerhalb einer Ehe getroffen werden.
Manchmal gestalten sich die Verhandlungen zähflüssig aber wenn man dann endlich eine Lösung gefunden hat, mit der beide leben können, kehrt herrlicher Frieden ein.
Und was will man mehr, so kurz vor Weihnachten.
So ganz unrecht hat mein Schotte ja nicht mit seinem Aga. Unser alter Godin (französischer Kanonenofen)  im Esszimmer ist zwar noch funktionsfähig, aber seine Tage sind gezählt.
Wir suchten im Internet. Mein Mann wurde fündig. Zumindest glaubt er das.
Die kluge Ehefrau überlässt nichts dem Zufall und recherchiert und sortiert vor.
Auf einer schottischen Internetseite fand ich seinen Aga.
In Miniaturausgabe. Kochen kann man darauf nicht, dazu ist er viel zu verschnörkelt, aber zum heißen Wasser machen reicht es allemal.

Und da der so günstig war, hat mein Schotte, man höre und staune einen Pizzaofen für draußen gleich mitbestellt.

Ich weiß jetzt schon was es bei uns an Weihnachten gibt.

PIZZA!

Montag, 7. Dezember 2009

Bauer sucht Frau: Das Kochbuch

Ich bin ein Wiederholungstäter.
Ich bin nach Deutschland mit einem leeren Auto und zurück kam ich mit einem, na sagen wir mal, dreiviertel vollem Auto.
Ich muss mich aber loben.
Ich war im großen und ganzen sehr zurückhaltend und habe nur ein paar Gläser Gewürzgurken, ein paar Dosen Rotkraut und für die Kids Negerküsse... oh Entschuldigung...das sagt man ja so nicht mehr...ein paar Dickmanns,und noch so das ein oder andere mitgebracht.
Puffreis habe ich noch von der letzten hiesigen Aldiaktion genug gebunkert, den brauchte ich nicht mehr zu kaufen.
Mein liebstes Mitbringsel ist aber ein Kochbuch.
Das habe ich mir nicht einmal gekauft, sondern habe es von meiner besten Freundin, die das Buch praktischerweise im eigenen Verlag herausgibt, geschenkt bekommen.

Bauer sucht Frau
Die besten Rezepte vom Lande


Die Rezepte sind ein Knaller!
Herzerfrischend einfach (da können meine Kinder sich nach Lust und Laune austoben) und so urig ur-deutsch, dass man fast (aber nur fast) schon wieder ein wenig wehmütig wird.
Bei "Sauerbraten und Rotkohl mit Kartoffelklössen" werden Erinnerungen an die Küche meiner geliebten Großmutter wach und als "Ausgewanderte" läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
Und zum Schluss noch  ein paar coole Sprüche aus dem Buch

Hülsenfrücht zum Abendbrot
morgens sind die Fliegen tot

Steht der Bauer im Gemüse
hat er später grüne Füsse

Tanzen die Kühe Polonaise
gibt's statt Milch am Abend Käse


Freitag, 4. Dezember 2009

Wer versteht die Frauen?

Nachdem ich meine Gedanken mit Hilfe von Steffi Graf‘s Scheußlichtees und Schreiben sortiert habe, kann ich den Tag ruhig angehen. Ich bin frisch geduscht, die Haare sind gestylt und ich habe einen meiner Präsentationsoutfits an, die mir an der Rezeption des Hotels, in dem ich in der Sommersaison arbeite, gute Dienste leisten und absolut Sturm erprobt sind.
Ich bleibe unerschütterlich, als ich zum kurzen Frühstück nach oben gehe und sich Mamalu in üblicher Hektik fertig macht.
Meinst Du ich kann das in meinem Alter noch tragen?
Habe ich zu viel Schmuck angehängt?
Bin ich zu toll geschminkt?
Soll ich lieber die schwarzen oder die weißen Schuhe anziehen?
Bist Du sicher ich kann so gehen?
Soll ich mich nicht doch schnell noch umziehen?
Nicht zum ersten Mal begreife ich, was manche Männer an uns Frauen in den Wahnsinn treibt.
Mal ganz abgesehen, davon, dass Mamalu sehr wohl weiß, was ihr steht und was nicht; und nochmal davon abgesehen, dass ich nicht verstehe, warum eine Frau, die ein dreistöckiges Mietshaus inklusive Werkstadt managt, urplötzlich zum nervösen, von Komplexen geschüttelten Teenager mutiert:
Ihr Gesicht möchte ich sehen, wenn ich ihr sagen würde, dass sie auf keinen Fall so auf ihre eigene Party gehen kann.
Ich bin ein gebranntes Kind.
Als Teenager bin ich in dieser Richtung ziemlich gegängelt worden.
Das berühmte: „Kind so lasse ich Dich auf keinen Fall auf die Straße!“ hat mich mehr als einmal neidisch auf die superkurzen Hotpants meiner besten Freundin schielen lassen. Auch waren meine 1 Zentimeter hohen Plateausohlenschuhe langweilig und bieder verglichen mit ihren Über-die-Knie-Stiefel inklusive 10 Zentimeter Absätzen.
Meinen eigenen Kindern, so schwor ich mir damals, würde ich immer absolute Freiheit lassen, was die Kleiderwahl betrifft.
Das ist zu einer Lebensphilosophie geworden.
Jeder soll sich so anziehen wie er (sie) sich wohlfühlt.Punkt.
Unabhängig vom Alter oder der Modeindustrie.Nochmal Punkt.
Mamalu sieht das leider nicht so und versucht mich jedes Mal aufs Neue dazu zu bringen, ihr mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Dabei übersieht sie geflissentlich, dass sie die Elegantere und das Stadtkind von uns beiden ist.
Nach jahrelangem Schmuddelwetter in der ländlichen Normandie, mit einem ganzen Stall voller fusseliger, langhaariger Haustiere, steht mein Sinn mehr nach Praktischem.
Bequem und gut zu waschen sollte es sein.
Die Schuhe am liebsten Gummistiefelmässig und flach. Da bekomme ich wenigstens keine nassen Füße und Hühneraugen.
Der Mantel regenabweisend und hell! Da bleiben die vielen Katzen- und Hundehaare nicht daran kleben.
Mamalu und ich kommen da leider nicht auf einen Nenner, aber um ihr eine Freude zu machen sage ich ergeben:
„Du siehst gut aus! So kannst Du gehen. Ganz großes Franzosenehrwort!“
Aber irgendwie scheint ihr das auch nicht zu passen.

Frauen! Mir soll noch einmal einer sagen, die seien unkompliziert!

Normanische Seifenblase

Noch eine Erkenntnis lassen meine Neuronen Polka tanzen, so dass ich nicht mehr schlafen kann:
Ich lebe in meiner fernen Normandie in einer wunderschönen Seifenblase, in der das:
„Das tut man so, das gehört sich so, ja aber man kann doch nicht“ soweit entfernt ist, wie ein Eisbär von der Sahara. Da ich weder in einer deutschen feststrukturierten Gemeinschaft lebe, noch wirklich zu den Franzosen dazugehöre, kann ich (fast) nach meinen eigenen  Regeln leben.
Auf meinem zwei Hektar großen Stück Land lebe ich fröhlich vor mich hin und werde von der großen Welt da draußen, in der man sich mit der Verwandtschaft gutstellen und alle wichtigen Feste feiern muss, in Ruhe gelassen. Das berühmte „Du müsstest aber doch“ und „hättest Du nicht“ berührt mich nicht, nicht zuletzt auch, weil 800km Entfernung ein unschlagbares Argument sind.
Nicht so meiner Mutter.
Die lebt mittendrin in den Regeln von: „Das macht man so“ und da sie einen weitreichenden Bekanntenkreis hat, der sich wiederum auch nur über diese Regeln bestimmt, muss der Druck in den letzten Tagen enorm gewesen sein. Da sie so ist wie sie ist, und auch nicht meine esoterisch angehauchte Einstellung hat, kann sie diesen Druck nicht einfach mal so abschütteln und sich sagen: Sollen sie so reden, ich mache das so wie ich das will.
Ganz im Gegenteil:
Als ich gestern Abend hier ankam, herrschte das absolute Chaos:
Wie gesagt: die Frau wird 80, hat morgen ihren großen Tag und sie sollte sich eigentlich die Zeit nehmen, sich auszuruhen (ist sie doch herzkrank, hat es mit der Schilddrüse, ist gerade erst am Auge operiert worden.......)
Statt dessen putzt und schrubbt sie die Wohnung und den Keller (es könnte ja einer zur Übernachtung bleiben) auf Hochglanz und verausgabt sich total, in dem sie die ganze Weihnachtsdekoration aus dem Keller hochwuchtet und in die sowie so schon völlig überdekorierte Wohnung verteilt. Begleitet von der Bemerkung, dass sie alles herrichtet, weil die Gäste (die man im nahegelegen Hotel von morgens um 11 bis nachmittags um 5 bewirtschaftet) ja schließlich noch auf einen Absacker vorbeizuschauen könnten, versuchte ich innerlich kopfschüttelnd die Ruhe zu bewahren.
Ich komme somit zu einer weiteren Erkenntnis:
Ich habe mir in den letzten Tagen den Kopf zerbrochen wie ich den lieben Freunden alle plausibel erkläre, warum der Rest meiner Familie in Frankreich geblieben ist und es nicht möglich machen konnte zum Ehrentag meiner Mutter zu erscheinen. Die Erklärung: „Sohnemann kann in der Schule nicht fehlen, große Tochter muss sich um das Gestüt kümmern, kleine Tochter ist im Praktikum in England und Ehemann auf Geschäftsreise in Schottland“ ist zwar grundehrlich, klingt aber selbst in meinen Ohren als fadenscheinige Ausrede.
Auf die simpelsten und ehrlichsten aller Gründe wäre ich im Leben nicht gekommen:
Mamalu hätte einen Nervenzusammenbruch erlitten, wären wir hier mit allen Mann angereist. Sie erträgt uns "en masse" ja schon an "normalen" Tagen nur eine begrenzte Zeit. Hier mir drei sich zoffenden Teen und Twens, einem Mann der wie ein Schlot raucht, inklusive zwei lebhaften Bordercollies aufzutauchen, hätten auch mich an den Rand der Nervenheilanstalt gebracht und so wie es gerade ist, ist es genau richtig.
Mittlerweile ist es kurz vor sieben und ich habe einen Mörderhunger
Ich glaube ich gönne mir jetzt noch einen dieser scheußlichen „Freu Dich“ Tees, gehe duschen und mache mich fertig.

Geburtstag

Es ist Freitag, morgens um 5H. Der Geburtstag von Mamalu und ich kann nicht mehr schlafen.
Zum Glück habe ich meinen alten Laptop mitgenommen.
Eigentlich, um Mamalu, unsere vielen Bilder zu zeigen.
Das Problem der digitalen Fotowelt ist die Masse.
Da ich vor meiner Abreise keine Zeit mehr hatte, auszusortieren, habe ich gleich eine ganze portable Festplatte mitgenommen. Praktisch ist definitiv was anderes.

Ich bezweifele sowieso, dass Mamalu die Ruhe haben wird, sich von mir eine Diashow vorführen zu lassen. Sie ist viel zu hippelig. Vor lauter organisieren, rangieren, aufräumen und Geburtstagsvorfreude, hat sie den totalen Stress. Die Tatsache, dass ich so überraschend vor der Tür stand, hat allerdings auch nicht gerade zur Beruhigung geholfen. Sie putzt und dekoriert die Wohnung auf Hochglanz für den Fall der Fälle, dass der ein oder andere Gast, nach dem Empfang, im extra dafür gemieteten Gesellschaftsraum des nahe gelegenen Hotels, doch noch auf die verrückte Idee kommen könnte, bei ihr vorbeizuschauen. Auf meine liebevoll, leicht ironische und auch ein ganz klein wenig ärgerliche Frage hin, ob sie noch alle Tassen im Schrank hätte - ich meine, was ist der Sinn und Zweck, Gäste in einem Restaurant zu empfangen, wenn man sich den Tag vorher verausgabt und vor lauter Putzen aussieht als hätte man ein Leichentuch gefressen - zuckte sie nur ergeben mit den Schultern. Sie kann halt auch nicht mehr aus ihrer Haut. 
Als ich dann heute morgen zu dieser wirklich unverschämt frühen Zeit aufwache, und mein Gedankenrad zu rattern anfängt, springe ich hinein wie ein gut dressierter Hamster. Anstelle mir Kopfschmerzen zu verursachen, in dem ich krampfhaft versuche noch ein wenig zu schlafen, werfe ich meinen Laptop an und während er gemütlich im Schneckentempo hochfährt,mache ich mir einen dieser merkwürdig schmeckenden Tees, die von einem bekannten Tennisstar im deutschen Fernsehen angepriesen werden und einen klaren Kopf versprechen.
"Freu Dich" und "Ruhe sanft" und "Klarer Kopf", anstelle von stinknormal Darjeeling, Ceylan oder auch nur schlicht Früchtetee. Es wundert mich nicht , dass meine Mutter das gesamte Sammelsorium  dieser merkwürdigen Tees
- "na ja Kind, ich habe halt gedacht, wenn Steffi Graf den trinkt, dann muss er gut sein" -  in mein Zimmer im Keller verbannt hat. Da sie nichts wegwerfen kann  - sie ist und bleibt ein typisches Kriegskind -  komme ich nun in dern zweifelhaften Genuss. Ganz ehrlich? "Klarer Kopf" schmeckt einfach nur scheußlich - und das trotz oder vielleicht auch wegen der 5 Minuten Ziehzeit. Aber er scheint zu wirken. Vielleicht ist es aber auch das beruhigende Klappern meiner Finger auf der Tastatur, die mir helfen meine Gedanken zu ordnen und meine Gedankenhamsterrad, welches mich so vehement vom Weiterschlafen abgehalten hat, anzuhalten. Ich werde es später bereuen, mich nicht doch noch gezwungen zu haben eins zwei Stündchen weiter zu schlafen, spätestens dann wenn ich freudestrahlend lächelnd Smalltalk mit der Verwandschaft betreiben soll, aber was soll's. Die Gedanken, die mir seit einer geschlagenen Stunde durch die Birne flitzen muss ich aufschreiben, sonst vergesse ich sie wieder.
Erkenntnis der frühen Stunde:

25 Jahre Frankreich haben mich verändert. Definitiv!


Donnerstag, 3. Dezember 2009

Reise nach Deutschland und die wunderschöne A4

Die Fahrt war lang aber schön.
Ich hatte Glück mit dem Wetter.
Immer da wo ich gerade war, waren die Wolken zwar zu einer großen grauen Wetterfront zusammengekuschelt, aber mich verschonten sie mit ihrem Regen und so fuhr ich auf den rollschuhglatten Asphaltschlangen Frankreichs, in aller Ruhe, Richtung Deutschland. Eigentlich wollte ich ganz zeitig losfahren, um so dem Verkehr auf der Périphérique zu umgehen; doch Dunkelheit, Regen und mich blendende Scheinwerfer ließen mich, nach Rücksprache mit meinem Göttergatten, erst gegen gemütliche 10H losfahren.
Er sollte recht behalten.
Die "Périph" ist um die Mittagszeit zwar voll, aber der Stop and Go hält sich in Grenzen und ich brauchte um Paris herum nur 10 Minuten länger als sonst.
Ich liebe die A4 und es ist mir heute unbegreiflich, wieso ich diese Autobahn in meinen ersten Jahren in Frankreich als tödlich langweilig empfunden habe.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in den weiten, leicht welligen Hügeln der Champagne, in der niemals das gleiche Licht herrscht, nicht mehr so einsam fühle wie damals, als ich aus dem eng bebauten und hektischen Deutschland kam. Die Dörfer liegen kilometerweit auseinander und sind oft so klein, dass man sie nur am Kirchturm als solche erkennt. Hier und da sieht man ein einsames Gehöft oder Gestüt und es macht Spaß nach ihnen Ausschau zu halten und sich das Leben der Bewohner vorzustellen.
Noch keine fünf Minuten in Deutschland, erinnere ich mich wieder, warum ich mittlerweile ohne Murren die horrenden Mautgebühren bezahle. Auf der A4 gibt es keine Schlaglöcher, keine Baustellen, keine permanent wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen, keine Raser und kein Nachrichtenfunk der all viertel Stunde mindestens genau solang über die Staus in ganz Deutschland berichtet.
Ich liebe SWR3, und höre es zuhause auch oft übers Internet... aber was interessiert mich ein Stau in Köln, wenn ich ich gerade an Saarbrücken vorbeifahre? Und sollte ich auf die Idee kommen, nach Köln fahren zu wollen...bis ich dort ankomme ist der Stau sowieso wieder weg oder ich quäle mich gerade an einer Baustelle bei Frankfurt vorbei.
Sorry Germany, das haben die Franzosen besser drauf.
Der Sender 107,7FM begleitet mich einmal quer durch das Franzenland, ich empfange aber immer nur die Nachrichten bezüglich des Landstiches, durch den ich gerade fahre.
Nun wie dem auch sei.
Von der Grenze aus sind es nur noch sage und schreibe 160 Kilometer bis in meine Geburtsstadt und auch wenn mir dieser Teil der Fahrt doppelt so anstrengend vorkommt, wie die vorher schon gefahrenen 600 Kilometer, erreiche ich ich gegen 6 Uhr abends mein Ziel. Meiner Mutter bricht in Tränen aus als sie mich sieht und ich bin heilfroh, dass ich es möglich machen konnte zu ihrem 80. Geburtstag zu kommen. Da es aber bis zuletzt auf der Kippe stand, hatte ich ihr nichts gesagt und so war die Überraschung perfekt als sich der vermeintliche Blumenbote als ihre einzige Tochter herausstellte.
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