Sonntag, 31. Januar 2010

Frühlingsanfang

Der Februar ist nicht unbedingt mein Lieblingsmonat.
Haus und Garten sehen ganz besonders trist, verlassen und pflegebedürftig aus.
Noch ist es zu kalt, um daran etwas zu ändern und hier und da fallen vereinzelte Schneeflocken, die mir unmissverständlich klar machen, dass der Winter noch nicht vorbei ist.
Ich bin es aber Leid mich jeden Morgen einzumummeln und mir den Bibs abzufrieren, bis das Haus warm ist.
Ich bin es Leid jeden Tag im Flur über Winter- und Gummistiefel zu fallen.
Leid, zu versuchen, dem Chaos, den dicke Wintermäntel verursachen, weil die lächerlich kleinen Haken meiner Garderobe die mit Daunenfeder aufgeplusterten Stoffungetüme kaum noch aufzunehmen in der Lage sind, Herr zu werden.
Ich möchte wieder Fenster und Türen aufmachen können ohne gefriergetrocknet zu werden.
Heute habe ich mal nachgeschaut: 1. März ist Stichtag!
Noch dreißig Tage - dann ist Frühlingsanfang!

Freitag, 29. Januar 2010

Volkszählung

...ist ehrlich gesagt, gar nicht mein Ding!
Ich fühle mich ausspioniert.
George Orwell hebt bedrohlich sein Haupt: Big Brother is watching you!
In einer Welt, in der alles so durchlässig ist wie ein aufgeweichter Kaffeefilter, und das Individuum dank moderner Technik (und Treupunktkarten) sowieso mehr von sich preisgibt als ihm hier und da lieb ist, sind mir die Fragebögen der Volkszählung mehr als suspekt.
Eine junge Frau, angestellt von der „Mairie“ und dafür verantwortlich eben jene Fragebögen zu verteilen und dafür zu sorgen, dass sie sachgerecht ausgefüllt werden, steht vor meiner Tür.
Da ich gerade meine Kurse gebe, habe ich keine Zeit und kann sie nicht herein bitten.
Überraschenderweise drückt sie mir die Bögen in die Hand.
Mit meiner Zusage sie ordentlich auszufüllen und einem erneuten Rendez-vous, die Bögen am Donnerstag um 11H  abzuholen in der Tasche, fährt sie wieder von dannen.
Ich bin erleichtert.
So kann ich vielleicht die eine oder andere Frage „übersehen“?
Mit viel innerlichen Widerwillen setze ich mich zwei Tage später an meinen Schreibtisch.
Die Fragebögen liegen vor mir, der Kugelschreiber zappelt angriffslustig in meiner Hand.
Schade, dass ich nicht so fingerfertig Penspinning beherrsche wie Sohnemann, dann hätte ich mich vielleicht
ein bisschen abreagieren können.
Statt dessen holte ich tief Luft und lege los:
Name?
Anschrift?
Ich entspanne mich gaaanz vorsichtig.
Welcher Nationalität gehören Sie an?
Wie lange leben Sie schon in Frankreich?
Arbeiten Sie?
Arbeiten Sie in der Stadt in der Sie wohnen?
Ok! Soweit so gut! Das sind Fragen die ich nachvollziehen kann und die mir für eine Volkszählung logisch erscheinen.
Welchen Schulabschluss haben Sie?
Oh ha! Jetzt fängt es an, ans Eingemachte zu gehen
Was sind Sie von Beruf?
Beschreiben sie in genauen Worten Ihre Tätigkeit!
Ich habe eine leere Zeile vor mir mit knapp 5 Zentimeter Platz
Hier ist definitiv eine Frage, für die ich zu blond bin, um sie zu beantworten.
Wer kann sich schon unter einer Scrapbooking-Lehrerin was vorstellen. Außerdem ist das nicht meine einzige Tätigkeit. Neben Sekretariat im Hotel und Dolmetscher beim Notar, bin ich auch noch Hausfrau, dreifache Mutter und Hobby Schriftstellerin. Vielleicht sollte ich das beantworten mit: Hansdampf in allen Gassen
Und was heißt das auf französisch???
Weiter im Text:
Leben Sie in einem Haus?
Wann wurde Ihr Haus gebaut?
Ok. Das geht noch.
Wie viel Quadratmeter hat Ihr Haus?
Das geht auch noch, aber ich ahne, dass jetzt Schluss mit lustig ist.
Wie viel Zimmer gibt es in ihrem Haus?
Wie viel Autos haben Sie?
Haben Sie einen Parkplatz?
Jetzt fange ich endgültig an zu streiken und frage meinerseits:
Wen geht das was an und warum?
Ich will diese Fragen nicht beantworten!
Und was soll die Geschichte mit dem Parkplatz?
Unsere Autos stehen in unserem Garten auf dem Kiesweg.
Zählt das jetzt als Parkplatz oder nicht?
Und warum wollen sie wissen wie viel Zimmer ich habe, wenn sie mich schon wegen den Quadratmeter ausgequetscht haben?
Ich habe ein dunkle Ahnung, dass es irgendwas mit der Steuer zu tun hat. Je mehr Zimmer, umso mehr „taxe d’habitation" oder "taxe fonciere“?
Ich zähle Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer, drei Kinderzimmer, zwei Schlafzimmer!
Macht Acht.
Mein Scrapbooking Studio unterschlage ich, denn es ist wirklich nur ein abgetrennter Teil meines Badezimmers und zählt nicht wirklich als eigenständiges Zimmer.
Widerwillig trage ich die Ziffer ein.
Nur sehr ungnädig unterschreibe und datiere ich die Fragebögen.
Als die junge Frau am Donnerstagmorgen die Fragebögen abholt, bin ich froh, dass sie nur kontrolliert, ob ich auch alle unterschrieben habe.
Dass ich „vergessen“ habe hier und da zu antworten hat sie nicht gemerkt.

Dienstag, 26. Januar 2010

Carrefour: King of the Zettelwirtschaft

Oder aber auch:
Der Punkte- und Kartenwahnsinn der Supermärkte.
Ich habe mir bei meinem letzten Besuch in Deutschland ein neues Portemonnaie gegönnt.
Ich brauchte lange bis ich eines fand, welches meinen „hohen“ Ansprüchen“ genügt.
Das meine ich nicht  im Sinne von exklusiv und teuer, sondern im Sinn von „Platz“.
Seit ein paar Jahren ereilt uns eine Karten-flut, sei es Kredit- oder Treue-Punkt-Karte, die seines Gleichen sucht. Um die alle unterzubringen, braucht es einen Geldbeutel mit immensen Ausmassen.
An erster und wichtigster Stelle steht natürlich die die obligatorische Kreditkarte der Haus-Bank, hier in Frankreich wegen ihrer Farbe liebevoll „Carte Bleu“ genannt.
Die grüne „Carte Vitale“ von der Sécurité Sociale, der Krankenversicherung, sollte man im Zweifel auch immer dabei haben.
Sie kommt im Doppelpack.
Die Mutuelle, die Zusatzversicherung und die Auto- und Hausratsversicherung müssen logischerweise mitziehen und erstellen ihre eigenen Karten.
Es folgen die Treuekarten von Carrefour,  Bricomarche, Intermarché, Darty, Ikea, Leclerc und Décathlon.
Da sich die Boutiquen der Stadt nicht lumpen lassen, gibt es Treue-karten vom Juwelier, der Parfümerie, der Pizzeria, dem Chinesen, ….
Ich habe mal durchgezählt: ich komme (zur Zeit) auf 21 Karten!
In Worten: Einundzwanzig! Das muss man sich mal vorstellen!


Wer jetzt sagt: „Schön blöd, was schleppst Du die auch immer mit!“ hat noch nie bei einem Spontankauf („Ach lass uns doch schnell mal bei Ikea, Decathlon, Animalis vorbeischauen…“) an der Kasse gestanden und sich geärgert, dass er nun ausgerechnet diese Karte nicht dabei hatte.
Nun gut!
Mit meinen 21 Karten und meinem Riesenportemonnaie  kann ich ganz gut leben.
Womit mein neues Portemonnaie aber nun schon wieder zu kämpfen hat, ist die zusätzliche Zettelwirtschaft der Supermärkte.
Carrefour ist "der King of the Zettelwirtschaft"!
Da bekommt man zu den mühsam bezahlten Punkten, neben dem Kassenbeleg, noch eine Unmenge anderer, ellenlanger Zettel, für die man eine Ausbildung als Buchhalter braucht, um zu kapieren, wann man was, wann, wie kaufen soll, darf oder muss, um noch zusätzliche Geldpunkte auf sein Treuekonto zu bekommen.
Neuerdings bekommt man auch noch Punkte, für die man sich eines dieser unendlich hässlichen Plüschtiere aussuchen darf, die ich nicht einmal dem Baby meiner Freundin schenken würde.
Ich habe sie am Eingang liegen lassen.
Die Punktezettel, meine ich.
Soll sich Carrefour doch mit seinem eigenen Altpapier herumschlagen.

Montag, 18. Januar 2010

A pro pos Schlitten

In Deutschland scheinen Schlitten zur Mangelware zu werden. Weit und breit kann man keinen mehr kaufen. Wir Normannen haben keinen Schnee mehr, der Regen und das Tauwetter haben eingesetzt. Ich bin eigentlich froh darüber.... und doch...irgendwie hat es mächtig Spass gemacht:

Dienstag, 12. Januar 2010

Die französische 6-Stunden Formel

…oder aber: Nachbarschaftshilfe "à la française".
Seit Tagen kleben wir an der Wettervorhersage auf dem französischen Sender TF1.
Gestern Morgen allerdings war klar: nicht nur das Wetter, sondern auch der Verkehr - und somit auch mein Alltag, dem Universum sei Dank! - normalisieren sich wieder. Von weiteren Schneefällen bleiben wir vorerst verschont und ich beschließe, dass ich es riskieren kann, Sohnemann, nach fast einer Woche forcierten, zusätzlichen Ferien, wieder in die Schule zu bringen.
Die Hessin in mir sagt sich: „Ma waas ja net, was so kommt“ und unbeirrt von den sich lustig machenden Kommentaren meines Fünfzehnjährigen - c'est la honte maman! -  ziehe ich meine neuen super-duper Gummistiefel an. So gerüstet, mollig warm in meiner Winterjacke, inklusive Schal und Mütze, gondeln wir vor- und umsichtig, um viertel nach sieben, die noch weiß verschneiten und wenig befahrenen Hinterwäldler-Straßen Richtung Stadt herunter. Als umsichtige Verkehrsteilnehmerin mit Sauberfrau-Image, machte ich auf gerader Strecke einen Bremstest und bin beglückt, dass mein Auto, ohne zu sehr zu rutschen, fast augenblicklich zum Stehen kommt. Fröhlich vor mich hin summend, setze ich Sohnemann vor der Schule ab, um dann den gleichen Hinterwäldler- Weg wieder zurück nach Hause zu fahren.
Kaum bin ich aus dem Tal heraus auf der kleinen Landstraße die zu meinem Dorf führt - ich wiege mich auf der scheinbar einsamen verlassenen Straße in absoluter Sicherheit - als mich das Unheil in Form eines entgegenkommenden Autos ereilt. Ich begreife schlagartig, welch deftigen Denkfehler ich begangen habe.
Es ist unter normalen Umständen schon schwierig, zwei, sich in gegensätzliche Richtung befindende Autos, ohne Schaden aneinander vorbei zu manövrieren, aber mit hartgefrorenem, fünfzig Zentimeter hohem Schnee auf beiden Seiten, wird es gänzlich unmöglich.
Wir versuchen es trotzdem…und scheitern kläglich.
Ich steige aus meinem Auto, klopfe an die Windschutzscheibe des R5, dessen Fahrer ich als unseren Nachbarsohn erkenne.
Er steigt aus, begutachtet die Situation und sagt: "Ich rufe meine Mutter an".
Das erscheint mir gänzlich unsinnig und sage ihm das auch.
Auf beiden Seiten unserer unfreiwilligen Blockade stauen sich mittlerweile immer mehr Fahrzeuge . Wie hätte R5 Mama da bitte helfen sollen? Und wo kamen plötzlich die vielen Autos her?
Eine Frau steigt aus und hält mir eine Schaufel entgegen. Wie ungemein praktisch, denke ich, und bedanke mich artig. Ich will gerade tatkräftig das Auto frei schaufeln, als ein kleiner Geländewagen der russischen Ausgabe, auf dem angrenzenden Feld an uns vorbei prescht.
Erst bin ich irritiert, denke ich doch, es sei einer von der ungeduldigen Sorte, der uns locker flockig in unserem Unglück sitzen lassen würde.
Aber nein!
Schnell stellt sich heraus, dass er uns zu Hilfe eilen will.
Allerdings mit fatalen Folgen.
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des schneidigen Fahrstils, fliegt der Russe förmlich über das tief verschneite Feld. Als er dann aber versucht wieder auf die Straße zu hüpfen, hüpft er prompt auf den aufgetürmten Schnee am Straßenrand.
Jetzt haben wir drei festsitzende Autos!
„Ich ruf jetzt meine Mutter an“ verkündet der Nachbarsohn mit Nachdruck.
Der "Russ"e steigt aus und begrüßt gut gelaunt all die anderen, mittlerweile herumstehenden Autofahrer mit Handschlag.
Es gleicht einem Happening.
Aus den jeweiligen Kommentaren erschließe ich, dass die Blockade nicht zum ersten Mal passierte und ich nur ganz zufällig heute dafür verantwortlich bin. Nach den üblichen Begrüßungsküsschen links und rechts und dem sich freundschaftlich auf die Schulter klopfen, wird fröhlich diskutiert wie man jetzt wen, wann, und wie am besten, aus dem Schlamassel befreien könnte.
Die Einführung in die französische Mentalität eines Freundes, seines Zeichens selbst Franzose, vor vielen, vielen Jahren, schießt mir durch den Kopf.
Es bezieht sich zwar eigentlich auf Mahlzeiten, aber im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass sich dieser Grundsatz auf alle Lebensbereiche anwenden lässt:
Der Franzose braucht 6 Stunden zum Essen:
Zwei, um zu diskutieren was er isst.
Zwei, um zu essen.
Und wieder zwei, um zu diskutieren was er gegessen hat.
Nun, um eines gleich vorweg zu nehmen: wir brauchten keine sechs Stunden, um uns aus dem Schlammassel zu befreien.
Aber!
Die Formel stimmt:
Es wird erst fröhlich diskutiert. Das Für und Wider genauesten abgewogen.
Dann werden die festsitzenden Autos mit viel Schieben, Ziehen und Lachen aus der Schneebremse befreit.
Wieder heil auf der schneefreien, großen Landstraße, steigen alle erneut aus, klopfen sich auf die Schulter, küssen sich rechts und links auf die Wange und beglückwünschen sich großzügig, mit welcher Bravour man diese Krise gemeistert hatte.
Dann verschwinden alle laut und fröhlich hupend in die restliche Nacht.

Kaum daheim, beglückwünsche ich mich, dass ich dank meiner Gummistiefel trockenen Fußes und dank meiner netten französischen Nachbarn wieder heil zu hause angekommen bin.

Samstag, 9. Januar 2010

Wenn frau keinen Schlitten hat....

und bei Ebay keinen passenden findet....dann baut sie sich einen!


Und dieses Monstrum soll ein Schlitten sein?
Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Kölner Freunde verwundert  auf den Bildschirm starren.
Was ist das überhaupt?
1 alte Holzpalette + 6 leere Benzinkanister =1 Schlitten!
Glaubt ihr nicht?
Na dann schaut doch mal:




Freitag, 8. Januar 2010

Auf dem (französischen) Land leben

Auf dem normannischen Land zu leben, ist nicht immer einfach.
Wenn die Temperaturen so in den Keller rutschen wie im Moment, fällt schon mal der Strom für ein paar Stunden aus, das Haus wird nur teilweise warm und die Wasserhähne im Garten frieren zu.
Dann heißt es Wasser schleppen, quer durch das Haus zum Stall, um die Pferde zu versorgen. Boden wischen wird zur Sisyphus Arbeit, da Katzen und Hunde - und auch manche Menschenkinder - sich die Pfoten nicht vom Schnee freiklopfen und den Steinboden einsudeln.
In das 5 Kilometer entfernte Pont Audemer zu fahren - der Mensch muss ja mal einkaufen -  ist bei den derzeitig, total verschneiten Straßenverhältnissen ein echtes, sehr rutschiges Abenteuer.
Wir Normannen sind mit 15 - bis örtlich 40 Zentimeter Pulverschnee völlig überfordert.
Dieses Wetter ist für uns so ungewöhnlich, dass wir kein anderes Gesprächsthema haben.
Doch wir gewöhnen uns dran und genießen die Momente, die das Landleben so unvergleichlich schön machen.
Mehr übers normannische Landleben gefällig?



Noch ein Artikel über das französische Landleben: Frankreich: Neues Leben auf dem Land

Samstag, 2. Januar 2010

Die Normandie und die Erderwärmung

Der zweite Tag im Neuen Jahr und es schneit! Schon wieder!
Und er bleibt liegen!
Wie außerordentlich ungewöhnlich für die sonst so grüne Normandie!
Sind wir nicht gerade mitten in einem Klimawechsel bei dem sich die Erde ungesund erwärmen soll?
Wieso schneit es dann?
Nicht dass ich mich beschweren will. Ich liebe Schnee. Nur verstehen tue ich es nicht.
Was das Wetter betrifft ist die Normandie normalerweise ziemlich temperamentlos.
Keine zu harten Winter, keine zu heißen Sommer.
In meinem Garten wartet eine 3 Meter große Kamelie nur darauf, endlich blühen zu dürfen. Wer sich ein bisschen mit Pflanzen auskennt, weiß, dass Kamelien eigentlich ziemliche Frostbeulen sind.
Aber da draußen, in meinem Garten fallen gerade Schneeflocken, wie ich sie sonst nur aus den bajuwarischen Heimatschnulzen kenne. Dick und dicht und alles bedeckend. Wenn ich aus dem Fenster Richtung westlichen Horizont schaue, verspricht der Himmel noch mehr von diesem herrlich weißen, unnützem Zeug.
Und das ganz ohne "alerte orange" von Météo France!


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