Sonntag, 10. August 2014

Normannische Brücken

Eine private Plantanenallee auf der D39
Heute ist Sonntag und Tropensturm Bertha nähert sich mit einer dicken, grauen Wolkenwand der normannischen Küste.
Wir wohnen im Inland, circa 30 km von der normannischen Kanalküste entfernt und der Blick aus dem Küchenfenster bestätigt die düstere Wettervorhersage von gestern.
"Sorry Doggies!"
Die Hunde kennen den Tonfall und trotten enttäuscht Richtung Hundekorb, aber bei dem Wetter habe ich keine Lust, mich über von Traktorreifen tief zerfurchte und bis zum Rand mit Regenwasser gefüllte Feldwege zu quälen.
Da wird der allmorgendliche Spaziergang sogar für Hartgesottene wie mich zum Spießrutenlauf. Leider kann man nie abschätzen, wann die Profilsohlen der Gummistiefel dem rutschigen Lehmboden die Stirn bieten.
Es wäre nicht das erste Mal, dass ich die Tiefe einer Pfütze falsch einschätze, dementsprechend mit einem plötzlichen Ruck das Gleichgewicht verliere, und mich unsanft auf meinen nicht mehr ganz so jungen Allerwertesten setze.
Oder, noch erniedrigender, mich nach vorne mit Schwung auf meine Knie katapultiere, die Händen bis zu den Ellenbogen tief im Schlamm.
Sehr zur Belustigung der auf den Feldern stehenden Rindviecher, versteht sich.
Die galoppieren erst erschreckt auseinander, um sich dann im Pulk muhend am Stacheldraht zusammen zu rotten und mich mit ihren großen, braunen Augen misstrauisch beäugen, während ich versuche, mich mehr schlecht als recht und unelegant aus dem Schlamm zu befreien.
Ich schwöre: Ich habe die eine oder andere Kuh schon hämisch grinsen sehen.

Nein!
Vielen Dank!
Darauf habe ich heute so gar keine Lust.


Seenlandschaft im Tal der Risle
Leider scheint meine Aversion gegen den Regen auf Gegenseitigkeit zu beruhen.
Irgend ein Kabel Richtung Scheune und Co mag die massive Feuchtigkeit nicht und nun fliegt mir seit ein paar Tagen in regelmäßigen Abständen die Sicherung in der Küche heraus.
Aber: Einfallsreichtum und Fatalismus sind normannische Tugenden und jetzt steht die Kaffeemaschine eben neben mir auf dem Schreibtisch im Wohnzimmer.
"Dumm darf der Mensch sein," sagte schon mein Großvater, Gott habe' ihn selig, "er muss sich nur zu helfen wissen."






Wie gut, dass ich gestern meinen inneren Schweinhund überwinden konnte, spontan meinen Fotoapparat und Mamalu ins Auto packte, um zum Leuchtturm auf die Anhöhen von Saint Samson de la Roque zu fahren.


Bevor ich gleich von dem gigantischen Ausblick und den zwei großen, normannischen Brücken berichte, erst ein bisschen Vorgeschichte zu meiner neuesten Errungenschaft.

Blick auf das Tal der Risle und Pont Audemer
In einem Anfall von Größenwahn habe ich mir vor ein paar Wochen einen neuen Fotoapparat gekauft. Eine CANON SX50.
Beim Anblick der ellenlangen Beschreibung habe ich postwendend die Flinte ins Korn geworfen.
Sollte digitale Fotografie nicht das Leben erleichtern?
Die vielen Knöpfe und Menü-Einstellungen waren aber extremst einschüchternd.
In meiner Verzweiflung, das Teil war schließlich nicht ganz billig, gab ich bei YouTube CANON SX50 ein und entdeckte zwei super nette Fotografen, die sich die Mühe machen, mir in unzähligen Tutorials,  in einfachen Worten ohne fotografisches Mumbojumbo, meine Kamera zu erklären.

Mike Browne, seines Zeichens  Engländer, erinnert mich mit seinem Humor ein bisschen an Billy Conolly, ein bekannter schottischer Komödiant.
Marius van der Westhuizen seines Zeichens Südafrikaner, trug mit seiner intuitiven Art und Weise das Schwierige einfach zu erklären ein wesentliches dazu bei, dass ich mich in meinen Fotoapparat verliebe. Wie schön, dass ich Hunderte von Euroleins nun doch nicht aus dem Fenster geworfen habe. 

Aber, auch hier gilt, alles Video schauen macht natürlich wenig Sinn, wenn man das Gelernte nicht umsetzt, und da kam mir der nahe gelegene Leuchtturm und das große Sonnenloch im Himmel gerade recht.


Phare de la Roque
Von Pont Audemer aus fährt man auf der D39 Richtung Saint Samson de la Roque stur gerade aus.
Es lohnt sich, langsam zu fahren und den Blick immer wieder nach links ins Tal der Risle zu richten. Es gibt dort auf halber Strecke eine imposante Allee, gesäumt von Plantanen, die man schnell verpasst, wenn man die Strecke zu zügig entlang fährt.
Der Leuchtturm selbst ist weniger spektakulär.
Er wurde im 19. Jahrhundert gebaut und sitzt 50 Meter oberhalb der Kreidefelsen über der Seine-Mündung. Zuvor befand sich an dieser Stelle eine Kapelle, die im späten 18. Jahrhundert aber leider einem Erdrutsch zum Opfer fiel.
Eine 1839 errichtete Signallanterne half den Schiffen in der Nacht ihren Weg stromaufwärts bis nach Rouen zu finden. 1850 wurde diese vom dem Leuchtturm ersetzt.
Er ist seit 1909 außer Betrieb.



Pont de Normandie





Der atemberaubende Blick über die Seine-Mündung ist eine Reise-Stop wert.
Von der Klippe auf dem der Leuchtturm steht, erstreckt sich der Blick im  270° Winkel nicht nur über das Tal der Risle und beide normannische Brücken, die Pont de Normandie und die Pont de Tancarville, sondern an klaren Tagen bis hin zu Le Havre und Honfleur.
Ein gutes Fernglas ist allerdings zu empfehlen.
Ich hatte es an diesem Tag vergessen und konnte mich nur auf den Superzoom meiner Canon verlassen.
Die Pont de Normandie ist die grösste Schrägseilbrücke Europas und wird als Wunderwerk der Technik gefeiert. Wer möchte, kann die Brücke auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad überqueren. Aber Achtung! Die Winde sind nicht ganz ungefährlich.




Pont de Tancarville
Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber bis 1959 existierte oberhalb von Rouen keine Brücke, die über die Seine führte. Eine der Fähren die damals für die Überfahrten zuständig waren ist auch heute noch in Betrieb. Dass "Le bac de Quillebeuf", etwas unterhalb der Pont de Tancarville, Richtung Rouen, auch heute noch fährt, ist der normannischen Sturheit der Bewohner der nah gelegenen Dörfer zu verdanken, die einfach nicht auf die schnelle und bequeme Art des "Flussüberquerens" verzichten wollten.
Außerdem ist die Fähre seit 2005 umsonst, was kein unwesentlicher Vorteil ist.


La Seine

Phare de la Roque
Um den Phare de la Roque herum ist ein leicht verwilderter aber großzügiger Picknickplatz angelegt. Anscheinend ist er ein beliebter Treffpunkt der lokalen Oldtimerfahrer.
Wer also Zeit hat und die zwei großen normannischen Brücken in ihrer vollen Pracht auf einen Blick genießen möchte, sollte sich die Zeit für diesen Abstecher nehmen.
Es lohnt sich.
Versprochen.

Oldtimer
Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag


Dienstag, 17. Juni 2014

Was tun wenn Primadonnas die gute Laune verhageln

Es gibt Tage, da wacht man morgens auf und man spürt instinktiv, dass es nicht viel braucht, um das Gefühl zu haben, mit beiden Beinen verkehrt herum aufgestanden zu sein.
Es fehlt nur noch der unbedachte Spruch einer Primadonna, egal ob diese in männlicher oder weiblicher Form auftaucht, und die eigene Stimmung rasselt wie ein Fahrstuhl mit gekappten Seilen in den Abgrund.

An diesem Morgen trifft Primadonna ausgerechnet auf meine kleine Wenigkeit und befreit sich verbal von der gigantischen Laus, die ihr über die Leber läuft.
Danach geht es Primadonna besser ... und mir schlechter.
Ich bin zwar nicht wirklich verantwortlich für den Blutsauger auf Primadonna's Leber, werde aber für schuldig befunden, da ich ganz offensichtlich unfähig bin, etwas gegen Läuse im Allgemeinen oder im Besonderen zu tun.

Ich greife zum Telefonhörer.
Bei solchen Notsituationen kann nur die Beste Freundin helfen. Sie hat, wie immer, nicht nur ein offenes Ohr, sondern einen praktischen Rat.

"Da hilft nur eins. Putzen!"
"Wie jetzt, putzen?" fragte ich verblüfft.
"Wenn man so richtig wütend ist, dann hilft nur putzen. Du wirst erstaunt sein, wie spiegelblank deine Kacheln und Waschbecken werden, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst."



Ist es wirklich so einfach?
Kann ich die negative Energie, die in mir tobt dazu benutzen, etwas Positives daraus zu machen?

Da ich nichts zu verlieren habe, suche ich mir Schrubber, Putzeimer und Staubsauger zusammen und hiefe alles in die zweite Etage unseres normannischen Landhauses.
Mit meinem Schlafzimmer fange ich an. Dann geht es dem Bad, dem Flur, der Treppe an den Kragen.





In meinem Kopf laufen die Hamsterräder auf Hochtouren und ich hadere mit der Ungerechtigkeit die mir widerfahren ist. Seltsamerweise tut es gut, die Wut bewusst zuzulassen.
Laut fluchend und wild den Putzlappen schwingend, fliege ich auf meinem Besen durch unser Haus.

Die Stunden verfliegen und Zimmer für Zimmer verbreitet sich nicht nur Sauberkeit, sondern auch meine Gedanken sortieren und ordnen sich.

Erschöpft und nassgeschwitzt komme ich und mein Besen unten in der Küche an und während ich mich über die Wasserflasche stürze, um meinen Durst zu stillen, bemerke ich erleichtert, wie ich die Wut in meinem Bauch buchstäblich weggeputzt habe.

Ich habe begriffen, dass ich nicht als genereller Schädlingsbekämpfer geboren wurde, und ich nicht immer für den Befall sensibler Pflänzchen verantwortlich gemacht werden kann.
Jetzt muss ich nur noch den Mut aufbringen, das den Primadonna's dieser Welt beizubringen.





Glücklich erfüllt von dieser Erkenntnis, schreibe ich  der BF eine kurze Mail und berichte ihr dankbar, wie ich es tatsächlich geschafft habe, die negativen Schwingungen in saubere Badezimmer, aufgeräumte Schlafzimmer und in ein durchgewischtes Treppenhaus zu verwandeln.

Doch Primadonna ist diese Woche auf dem Kriegspfad und nörgelt sie sich nur wenig später erneut in mein Leben.



Pech für mich, dass ich einige Tage zuvor, bei einem ungeschickten Manöver im Garten ausrutsche, mit dem Oberkörper auf einer Stahlkante lande ... und mir eine Rippe breche.
Jetzt ist dreiwöchige Schonung angesagt und ich muss Besen, Staubsauger und Co erst einmal stehen lassen.
Nix mit Putzen!
Nix mit schlechte Energie in positive Schwingungen und eventuell saubere Fenster - die hätten es auch mal wieder nötig - umwandeln!




Stattdessen drehen die Hamsterräder in meinem Kopf wieder ihre unaufhörlichen Runden und ich wünschte mir, es gäbe einen Schalter, um diese verdammten Dinger, wenigstens für ein paar Stunden, zum Anhalten bringen zu können.

Ich schnappe mir die Hundeleine und die Gummistiefel.
Vielleicht gelingt es mir ja beim Laufen durch den Wald meine negativen "vibes", die eigentlich gar nicht meine sind, nur im Moment ganz offensichtlich wie Pech und Schwefel an mir kleben, loszuwerden.
Im letzten Moment, denke ich an meinen Fotoapparat.

In meinen stylischen Gummistiefeln forsch voran schreitend, so weit das mit einer gebrochenen Rippe überhaupt geht, laufe ich achtlos an einem, einsam am Wegesrand stehenden Fingerhut vorbei.




Wohl wissend, dass es sich hier um eine hochgiftige Pflanze handelt, die in der Volksmedizin aber als Mittel gegen Herzinsuffizienz bekannt ist, bin ich  viel zu aufgebracht, um seine Schönheit bewusst wahr zu nehmen.
Dann ein zweiter und ein wenig weiter ein dritter.
Kerzengerade und hochaufgeschossen steht er da. Stolz präsentiert er mir seine lila, traubenähnlich angeordneten Blüten in mitten von eher langweilig anmutenden Gräsern, Scharbockskraut und Löwenzahn.


Irgendwann kommt mir der verrückte Gedanke, dass mich das Universum vielleicht ganz absichtlich auf diese Pflanze aufmerksam macht.
Ich drücke auf den Knopf meiner Kamera und mit einem kleinen "Bling" ist sie startklar.

Während ich den Fingerhut heranzoome und durch den Sucher staunend die malerischen Farbkleckse innerhalb jeder einzelnen Blüte betrachte, werde ich mir auf's Neue bewusst, (Fotoshoot Pont Audemer)  wie oft man an "gewöhnlichen" Dingen vorbei rauscht,  weil die Gedankenräder im Kopf so laut drehen, dass man die Aussenwelt nicht mehr wahr nimmt.

Könnte der Fingerhut ein Zeichen vom Universum sein, mich mehr um meine innere "Herzschwäche" zu kümmern?
Mir, anstatt mich über Pippifax aufzuregen, meinem "Außen" mit mehr Herzenswärme zu begegnen und dankbar für die vielen wunderschönen, kleinen aber feinen Dinge in meinem Leben zu sein?
Nachdenklich folge ich den Hunden über den Feldweg nach Hause.

Wieder zuhause stecke ich die Speicherkarte in den Rechner und mir geht das Herz auf, so überrascht bin ich, wie schön die Bilder von "meinem" Fingerhut geworden sind.
Nicht nur das Bokeh ist gelungen, sondern ich habe doch tatsächlich die kleine Schwebfliege im Anflug erwischt. Auch die aktive Ameise, die frisch fromm fröhlich auf dem Fingerhut herum turnte, hat sich auf meinem Digitalbild für einen Moment der Ewigkeit festhalten lassen.

Gegen so viel Schönheit hat selbst eine nörgelnde Primadonna keine Chance.

Sonntag, 8. Juni 2014

Passend zum 70jährigen Jubiläums des D-Days

Eine Liebeserklärung an Pont Audemer.


Wie bestellt strahlt die Sonne zum 70jährigen Jubiläum des D-Days  in meiner kleinen normannischen Stadt von einem azurblauen Himmel. Mit meinem Fotoapparat bewaffnet, gehe ich am frühen Freitagmorgen über den lokalen Markt.

Ich spüre wie die Menschen die wärmenden Strahlen der Sonne dankbar aufsaugen und sich die Laune jedes einzelnen Normannen erheblich verbessert.








Überall werden Blumen und Pflanzen zum Verkauf angeboten. Hobbygärtner und -Gärtnerinnen, mit vollen Körben schwer an den Ellenbogengelenken, schieben sich glücklich durch die bunte, sommerlich gekleidete Menschenmenge, um ihre neuen Schätze heil zum Auto zu bringen.

Jeder kennt jeden, man bleibt stehen, grüßt sich, hält ein kleines Schwätzchen und tauscht den neuesten Tratsch und Klatsch aus. Hauptthema ist, wie könnte es in der Normandie auch anders sein, das Wetter. Endlich Sonne, endlich Sommer. Hoffentlich bleibt es so.












Der ein oder andere schüttelt zweifelnd den Kopf. Man kennt das ja: das Wetter in der Normandie. Unbeständig mit viel Regen. Petrus tut sich schwer damit, es dem Normannen recht zu machen.

Entweder ist es zu nass, oder zu trocken, oder zu kalt oder zu heiß. Doch der Tag heute ist perfekt und die Sonne spiegelt sich mit aller Macht in den Gewässern der vielen Kanäle, die Pont Audemer durchziehen.
Die einstige Gerber- und Papierstadt, deshalb auch liebevoll das Venedig des Nordens benannt, ist nicht nur eine von Wasser durchzogenen Stadt, sondern auch eine Stadt im grünen Tal.

Eingebettet im Tal der Risle, explodiert die Natur an den Hängen, die ins landwirtschaftlich genutzte Plateau hinauf führen, in voller Pracht.








Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit meiner Familie in der Nähe dieser quirligen normannischen Kleinstadt und nehme ihren ländlichen Charme, die vielen kleinen architektonischen und botanischen Schätze als selbstverständlich hin.

Erst durch die Linse der Kamera konzentriert sich mein Blick auf das Wasser, das Grün, die Menschen und mir eröffnet sich eine zwar bekannte, aber eine neu zu entdeckende Welt.

'Es hat schon fast etwas Philosophisches und man sollte das öfters tun,' denke ich, während ich die Augen zukneife, um das Leben durch den Sucher meiner Kamera zu betrachten.
Es ist erstaunlich, wie viel Schönes mich umgibt.

Plötzlich sehe ich Dinge, an denen ich sonst achtlos vorbei eile. Wasser in Hülle und Fülle.






Diesmal nicht von oben, sondern in Form der flink sprudelnden und gurgelnden Risle, die sich über ihre Kanäle in die Stadt ergießt und mit ihrem Süßwasser genau hier auf das Salzwasser des nur knapp 30km entfernten Ärmelkanals trifft.

Francois der 1. war es, der 1518 den Stadtvätern von Pont Audemer erlaubte einen Hafen zu bauen. Dieser war über die Jahrhunderte mal mehr oder weniger aktiv und ist heute leider nicht mehr vorhanden.

Während ich am Risle Ufer stehe und den netten Angler fotografiere, kann ich mir kaum vorstellen, dass am Ende des 19. Jahrhunderts an die 500 Schiffe im Jahr an den Kaimauern dockten und mehr als 14000 Tonnen Ware verladen wurden.








Die große Ära des kleinen aber wichtigen Hafens endete 1975 als das letzte große Schiff die Segel setzte.

Pont Audemer bildet einen kleinen Mittelpunkt im historischen Städtedreieck Rouen, Le Havre und Caen und bewahrte sich trotz massiver Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg ihr altertümliches, von Fachwerkhäusern geprägtes Erscheinungsbild.

Es ist Ironie des Schicksal, dass die Normandie, berühmt berüchtigt für ihren Regen, durch einen plötzlich aufziehenden dichten Nebel, die deutschen Angriffsflugzeuge kurz vor Kriegsende dazu zwang, die Bomben im Blindflug über der Stadt abzuwerfen und so das historische Zentrum wie durch ein "vernebeltes" Wunder verschont blieb.







Am 26. August 1944 befreiten Holländer die Stadt von der deutschen Besetzung.

An der grauen Außenfassade der Kirche Saint- Ouen mit ihren wunderschönen blauen Bleiglasfenstern, deren ältester Teil aus dem 11. Jahrhundert stammt, kann man heute noch die Einschusslöcher der heftigen Bombardierungen erkennen.

Ein Umstand auf den mich der Immobilienmakler, von dem wir vor vielen Jahren unsere Chaumière kauften, aufmerksam machte. Wir sassen in dem Bistro unterhalb der Kirche und tranken zur Feier des Tages und dem Abschluss des Kaufvertrags ein Glas Champagner.










Auf meinen schuldigen Blick hin, winkte er nur freundlich ab und erwiderte, dass der Krieg schon lange vorbei sei und die neuen Generationen ja wohl hoffentlich etwas aus den Fehlern der Vorfahren gelernt hätten.


Das ist übrigens die gängige Reaktion auf mich als Deutsche in der Normandie. Wann immer ich auf ältere Normannen treffe und gefragt werde, wo aus Deutschland ich denn herkomme, wird das nicht selten mit dem Ausruf kommentiert: "Oh, da war ich ganz in der Nähe in Kriegsgefangenschaft."

Und wenn ich dann erschrocken zusammenzucke heißt es:
"Keine Sorge! Ich hatte es den Umständen entsprechend gut und man hat mich wirklich anständig behandelt. Ich habe sogar heute noch Freunde dort."


Ich wünsche Euch ein schönes Pfingstfest mit viel Sonne.
Nutzt die Chance, nehmt Eure Kameras und fotografiert Eure Stadt. ♥

Eure Pia


PS: Die Webseite FALLEN SOLDIERS zeigt mit eindrucksvollen Bildern, wie sich der D-Day abgespielt haben muss. Absolut sehenswert.











Samstag, 31. Mai 2014

Eine Mai-Hochzeit in der Normandie

Eine Hochzeit im Wonnemonat Mai.

Der Traum aller Bräute und Weddingplaner.

Dazu braucht es:

Eine Traumlocation mit romantischem Garten, mit blühenden Bäumen und nach Jasmin duftenden Sträuchern.

Warme, goldene Sonnenstrahlen, die kerzengerade aufgerichtete Lupinen in allen Farbvarianten küssen und sich wie ein goldener Glorienschein um die glänzenden Haare der Braut legen.

Fluffig weiße Wolken an einem azurblauen Himmel, die sich im Wasser des nahe gelegenen Sees wieder spiegeln und den Hintergrund zu perfekten Hochzeitsfotos bilden.

Oh jeh!




Wer als Weddingplaner - egal ob professionell oder en famille - in der Normandie mit idealen Wetterbedingungen zu  einer Hochzeit oder sonst wichtigem Event rechnet, kann auch gleich russisches Roulette spielen.

Der Mensch denkt und die Normandie lenkt.

Sie ist berühmt berüchtigt für ihren vielen Regen.

Die dunklen Wolken am Westhimmel Richtung Ärmelkanal verhießen nichts Gutes als Kleine Tochter an dem lang ersehnten, und seit einem Jahr bis zum Davonlaufen diskutierten, organisierten und bis ins kleinste Detail geplante Maiwochenende mit dem Schottengatten  in die alte Citroën mit Chauffeur einstieg.






Noch während ich die Haustür hinter mir abschloss und mich beeilte in meinem sommerlichen Kleidchen noch trockenen Fusses in die mit rosa Schleifchen geschmückte Kangoo zu springen, fielen die ersten schweren Tropfen.

Auf dem Weg nach Pont Audemer öffnete der Himmel seine Schleusen und der Regen prasselte so dick und fett auf die Windschutzscheibe, dass die Scheibenwischer den Dienst versagten und ich mit knapp 50km/h die Departementale entlang kroch.

Um mich herum herrschte Weltuntergangsstimmung.



Das kann ja heiter werden, dachte ich.

Aber wir "Normannen" sind hart im Nehmen und nach 25 Jahren in diesem Landstrich überrascht mich nichts mehr wirklich.


Vor knapp 30 Jahren habe ich in eben solchen Wetterverhältnissen den Schottengatten geheiratet und sah den Regen eher als glückliches Ehe-Omen.



So sehr wie es in diesem Moment aber regnete, müsste die zukünftige Ehe theoretisch bis in alle Ewigkeit und darüber hinaus halten.

Dementsprechend war ich heilfroh, dass wir in weiser Voraussicht eine Location gebucht hatten, die sich als ideal für normannische Sturmfluten herausstellen sollte:
Au Jardin d'Eden, der Garten Eden.

Das normannische Haus mit seinem weitläufigen Wintergarten, befindet sich auf einer Halbinsel in einem 30 Hektar großen Seegebiet im Tal der Risle, nur wenige Kilometer von Pont Audemer entfernt.

Dieses paradiesisch anmutende Fleckchen Erde macht seinem Namen alle Ehre.

Manchmal befindet sich das Gute wirklich unglaublich nah.




Gleichgültig wie mies gelaunt der normannische Wettergott auch sein mag, in dieser Location feiert es sich geschützt vor Wind und Wetter und man hat das Gefühl, mitten in einem gigantisch großen Park im Freien zu sitzen.









Wir sollten Glück haben. Petrus hatte Mitleid mit uns.

In Pont Audemer angekommen, riss die dunkelgraue Wolkendecke wie von Zauberhand auf.

Mit einem Stoßgebet in Richtung Himmel, der mir nun ersparte wie ein nasser Pudel im Rathaus einzulaufen, stellte ich mein Auto auf den Parklatz hinter der Mairie und ein ungeduldig wartender, zukünftiger Schwiegersohn half mir galant aus dem Auto.

Und unser Wetterglück hielt an.

Als wir aus dem Rathaus kamen, kannte die Sonne kein Halten mehr und bescherte uns eben jene oben beschriebene sonnengeküsste Traumhochzeit.

Es folgte ein Nachmittag und ein Abend, gefüllt mit Emotionen und Eindrücken die uns ein Leben lang in Erinnerung bleiben werden.

Was gibt es Schöneres für Eltern als ihre Kinder so glücklich zu sehen?










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