Sonntag, 17. November 2013

Wohin fährt der Franzose, wenn er Paris an den Wochenenden entfliehen möchte ?


 Ein Lieblingsziel der französischen Hauptstädter für Kurzurlaube an langen, sonnigen Wochenenden ist die Normandie. Die bietet nicht nur immergrüne Ländlichkeit, gute Butter, frische Milch von gesunden, glücklichen Kühen, Calvados, Cidre und Pommeau, sondern auch eine nicht unwesentlich lange Küste entlang des Ärmelkanals.
Die knapp 200 km lange Blumenküste "La Côte Fleurie", die sich vom Pays d'Auge über das Departement Calvados - da wo der leckere Apfelschnaps destiliert wird - bis hin zur Region der Basse Normandie erstreckt, ist über die gut zu befahrende Autobahn A13 in unter zwei Stunden, von Paris aus zu erreichen.


 Manch ein Bürgermeister ist nur eingeschränkt begeistert von den pariserischen Wochenend- und hauptsächlich sonnenhungrigen Zuwanderern, denn Städte wie Deauville, Cabourg und Co wirken im Winter verwaist wie vergessene Wild-Westernstädte. Die vielen Ferienappartements trotzen Wind und Wetter der ungemütlichen vierten Jahreszeit, indem die Fenster der romantisch normannischen Hausfassaden mit Holzläden und Rollos blickdicht - und einbruchssicher - verammelt werden.
Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen, werde ich nicht müde zu erzählen, dass die Normandie viel zu bieten hat.
Da gibt es den sagenumwobenen Mont Saint Michel, den weltberühmten Teppich von Bayeux, die verwunschenen Gärten von Claude Monet in Giverny,  die weißen Kreidefelsen von Etretat, die Abtei Notre Dame de Bec Hellouin, die Basilika von Lisieux ... um hier nur einige der berühmtesten Sehenswürdigkeiten zu nennen.


 Aber auch das Hinterland ... und hiermit meine ich das Zentrum meiner kleinen normannischen Welt ... hat die ein oder andere Besonderheit zu bieten.
Heute möchte ich euch zu mir ins Dorf einladen.
Holt Euch einen Kaffe und besucht mit mir virtuell die "Foire aux Arbres". 
Das ist eine Baummesse, die auf einer Initiative unseres Bürgermeisters entstanden ist, der vor ein paar Jahren auch unser Dorf in in ein bisschen touristisches Licht rücken wollte und die sich nun stetig wachsenden  Zulaufs erfreut.




Neben Bäumen  ...
.. und Rosen..

... werden ländliche Produkte angeboten.
Leckere Öle..

... hausgemachte Marmeladen...

... Cidre, Calvados und Pommeau.

Ein neumodischer Rasenmäher, der bei einem echten Normannen 
keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Diese hier sind hier schon eher zu gebrauchen


Künstler stellen ihre ungewöhnlichen Werke aus



Und der Leierkastenmann sorgt für das typisch französische
Musikambiente

Oldtimer ...

... für die Straße ...

... und das Feld

Die fahren tatsächlich noch alle

Keine Ahnung was das sein könnte


Pferd in Natura ...

... und in Miniatur mit Kutsche

Ehrensache, dass auch wir - Mandy und ich - ausstellen,
auch wenn der Normanne noch nicht so richtig weiß,
was er von diesem neumodischen Scrapbooking halten soll


So! Das war er mein kleiner sonntäglicher Rundgang über die Baummesse in meinem französischen Dorf. Ich hoffe es hat Euch gefallen und ich kann Euch am nächsten Sonntag wieder mit einer G'schichte aus meinem Leben begeistern. Der Titel steht schon:
Mamalu und ihr Kampf gegen die normannische Wiese

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Sonntag und ein tolle Woche

Sonntag, 10. November 2013

Ich will mein Leben zurück

 Ist alles ok bei Dir?
Was macht der Süden?
Man hört ja gar nichts mehr von Dir?!
Alles alarmierte Anfragen von meinen netten Bloglesern die sich fragen, ob ich überhaupt noch am Leben bin.

  Was habe ich früher, als aufmüpfiger unwissender Teenager, auf den immer gleich ablaufenden Tagesrhythmus meiner Eltern geschimpft.
Früh morgens um 8H wurde gefrühstückt.
Von 9H bis 10H ging man mit dem Hund.
Mittags 13H stand punktgenau das Essen auf dem Tisch.
Danach ein Nickerchen zur Verdauung.
Gegen 16H ging man wieder mit dem Hund, im Anschluss wurde Kaffee getrunken und leckerer, selbstgemachter Kuchen gegessen.
Um 19H gab es Abendbrot und irgendwann gegen 23H gingen die Lichtlein aus, das Wohnzimmer wurde gelüftet noch während im Fernseher die Spätnachrichten liefen und man ging ins Bett.

 Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass ich es irrwitzig finde, sich so kurz vor dem Schlafengehen Geschichten von Mord, Totschlag und sonstigen Gräueltaten ins Gehirn zu ziehen, nur damit das arme Unterbewusstsein die ganze Nacht damit verbringen muss, die schrecklichen Bilder und die so geschürten Ängste zu verarbeiten, ich schwor mir damals ... dass ... ich ... so ... nie leben wollte. Das Universum muss mir sehr genau zugehört haben, denn nur wenig später trat ein Schotte in mein Leben, der mir versprach, dass ein Leben mit ihm nie langweilig werden würde.
Irgendwie ging von da an die Post ab.

 Das schottisch deutsche Abenteuer startete mit einem Umzug in die französische Hauptstadt, die von uns nach knapp zwei Jahren fast fluchtartig wieder verlassen wurde, nur um, nach einem kurzen Zwischenstopp in dem wesentlich ruhigeren, besinnlichen aber auch leider ziemlich teuren Fontainebleau südlich von Paris, in der ebenso beschaulichen aber wesentlich günstigeren Normandie weiter erlebt zu werden.

Kinder kamen, drei an der Zahl, gleichzeitig mit vom Schlachthof geretteten Pferden und von einer Katzenmutter verstoßene Kätzchen, die im Drei-Stunden-Takt mit der Flasche aufgepäppelt werden wollten. Dazu gesellten sich auf dem Wochenmarkt zur Schau gestellte Kaninchen, - Mami die sind ja sooo süss, ! -  die sich prompt aus ihren eilig errichteten Ställen buddelten und in den Tiefen des großen, normannischen Gartens auf Nimmerwiedergesehen verabschiedeten. Sehr zur Trauer von großer und kleinen Tochter versteht sich.

 Hühner, auf selbigen Markt, diesmal vom Schottengatten für ein paar Cent erstanden, die nichts anderes im Kopf hatten, als dusslig herum zu gaggern und kein einziges Ei legten, fanden ihren Weg genauso zu uns, wie unzählige Goldfische in Plastiktüten, gewonnen auf der alljährlichen Kermes in Pont Audemer, die sich prompt als kostspieliges Hobby entpuppten, musste ja nun in aller Eile ein anständiges Aquarium mit bepflanztem Innenleben her.
Der damals noch kleine Sohnemann glaubte übrigens, dass auch Fische Milch und Orangensaft trinken müssen, um groß und stark zu werden und so stand ich oft mehrere Stunden in der Woche putzender Weise in der Küche, um den armen Viechern eine lebenswerte und glasklare Umgebung zu erschaffen. Einer der golden schimmernden Flossentiere segnete sogar das Zeitliche im Maul der mittlerweile zu sieben Köpfen angewachsenen Katzenschar, weil eben jener Sohnemann überprüfen wollte, ob Katzen auch wirklich so gerne Fische fressen. Kurz darauf beendete ich das Kapitel Kaninchen-Hühner-Fische in meiner schottisch deutsch französichen Abenteurer Geschichte ein für alle Mal und drohte jedem, der sich meinen Vorgaben widersetzte, mit Scheidung!

 Siehste? sagte der Schottengatte, "I promised you,  life with me would never be boring."
Nun war ich aber an einen Punkt gekommen, wo das Leben durchaus ein bisschen langweiliger hätte werden können und irgendwie schien der tröge Tagesablauf meiner Eltern dann doch nicht mehr so unerstrebenswert.

 Das letzte Jahr setzte dem chronisch chaotisch internationalen  Haushalt die Krone auf, denn meine Mutter fasste den Entschluss, Germanien den Rücken zu zu kehren und sich, wie wir, bei den Normannen niederzulassen.
Seit dem ist schon gleich gar nichts mehr so wie es vorher war und Dinge wie Regelmäßigkeit, Struktur und Tretmühle sind nicht nur wohlwollende aber unerreichbare Klänge in meinen Ohren, sondern von meinem Leben soweit entfernt wie eine Milchkuh von der Weinerzeugung.
Seit mehr als 12 Monaten ist jeden Tag was anderes los.
Ich muss organisieren, machen, tun, reparieren, holen, bringen, erledigen, spontanen Besuch bewirten, vermitteln, arrangieren und ermöglichen.
Vor ein paar Tagen riss mir die Hutschnur und alle bekamen die Ansage:

Jetzt ist  gut! Ich will mein Leben zurück!

Ich werde also versuchen, das zu tun was meinen Eltern so gut gelungen ist:
ich werde Struktur und Regelmäßigkeit in mein Leben holen.
Ich habe zwar noch keine Ahnung wie, aber Vorsatz ist der erste Weg zur Besserung, nicht wahr?
Die erste Vorgabe an mich selbst:
Jeden Sonntagmorgen meinen Blog auf Vordermann bringen - soviel Zeit (für mich!) muss sein.
Also drückt mir die Daumen.

Einen ganz dicken virtuellen Knutscher an alle, die ihr mir so treu die Stange haltet und hier trotz der langen Stille immer mal wieder vorbei schaut.
Ihr seid das Salz in meiner Bloggersuppe.
Ohne Euch würde mein Bloggersüppchen nur halb so gut schmecken.

Big Bisous Pia





Sonntag, 14. Juli 2013

14. Juli - Französicher Nationalfeiertag

Wie wohl überall in ganz Frankreich, ging gestern abend auch in unserer normannischen Kleinstadt die Post ab.
Um den Abend gut zu überstehen, mussten wir uns selbstverständlich erst einmal Kraft anfuttern.



Die Wagenrad-Pizza war grösser als das Mondscheinbaby.
Danach ging es auf die Rue de Republique und die Cover-Band zog sämtliche Rockregister. Von ACDC über Jimmy Hendrix bis zu den Beatles war alles dabei und erstaunlicherweise - ich bin sonst nicht so der Freund von Cover Bands - gar nicht mal so schlecht. Um die Ohren vom Enkelkind zu schonen, blieben wir lieber ein bisschen in Deckung.


Die Band hatte sichtlich Spass...

... und ist unverkennbar ein großer Fan von ACDC!

Der Leadsänger jedenfalls war kaum zu bremsen....

... und der obligatorische Schulranzen war fest auf den Rücken geschnallt

Das Mondscheinbaby entdeckt die "Hü's" sofort!

Pont Audemer im Ausnahmezustand

Heute singt man nicht mehr ins Mikrophon ... sondern ins Megaphone!

Na das ist doch ein ganz hübscher Bursche ...trotz der kurzen Hose!

Mir und meiner Tuba gehört die Welt!


Wir warten auf das ... FEUERWERK!

Die Nacht bricht an ... jetzt dauert es nicht mehr lange

Und dann geht es endlich los

Man kann den Franzosen viel nachsagen,
aber bei ihren Feux d'Artifice gehen sie in die Vollen.


Ein Feuerwerk zu fotografieren ist echt schwierig

Das gigantisch tolle Wetter lockte viele Besucher auf die Straße.


Es war ein toller Abend und wird nächstes Jahr wiederholt.



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