Freitag, 13. April 2012

Deutscher Akzent: machmal äußerst nützlich!

Der Engländer, als auch der Franzose, macht sich nicht selten über die eigenwillige Aussprache der Germanen lustig, wenn Letzterer versucht, sich in den jeweiligen Landessprachen auszudrücken.
Ich muss ja zugeben, ein Franzose der Deutsch spricht, klingt weitaus romantischer, als ein Deutscher der sich in der Franzensprache versucht.
Die Herren Matthäus, Westerwelle und Co sind natürlich auch keine besonders glücklich gewählten Repräsentanten, wenn es darum geht, das Vorurteil des schlecht ausländisch sprechenden Deutschen  aufzuheben.
Nach mehr als 25 Jahren des in-Frankreich-lebens würde ich mein französisch als durchschnittlich passabel bezeichnen.
Das Wortvolumen ist gut gefüllt und mit der Aussprache habe ich im Großen und Ganzen wenig  Probleme.
Wenn ich tiefen entspannt bin.
Bin ich nervös und aufgeregt, macht das Adrenalin, welches durch meine Adern pumpt, den Vokabeln in meinem Kopf den Garaus und die Aussprache ist nicht mehr fließend zart musikalisch, sondern generalstabsmäßig knochig.

Da ich der Meinung bin,  dass eine gelungene Integration immer bei der Sprache anfängt, bemühe ich mich ergo, auch in aufregenden Situationen die Ruhe zu bewahren und mein Französisch so gut es eben geht französisch klingen zu lassen.
Mit mehr oder weniger Erfolg.

Vor ein paar Wochen shoppten Große Tochter und ich in den Docks 76, einem Einkaufs Zentrum am Rande Rouens. Wir waren nicht wirklich in Einkaufstimmung, aber ein Besuch im großen Virgin Megastore, in dem wir uns mindestens eine halbe Stunde über dem neuen IPad die Seele aus dem Leib seufzten, verleitete Große Tochter dann doch, sich die 1. Saison einer Fernsehserie, die sie schon länger haben wollte, in DVD Form zu kaufen.
Kaum wieder zuhause, kommentiert Kleine Tochter die Errungenschaft mit:
"45 Euro! Ja bist Du wahnsinnig? Die kriegst Du bei Amazon um die Hälfte!"
Da sich Geschwister grundsätzlich nie was glauben, überprüfte Große Tochter das sofort im Internet und war complètement degoutée (angeekelt) als sie feststellen musste, dass Kleine Tochter leider recht hatte.
Ich übrigens auch.
Große Tochter arbeitet hart für ihr knappes Lehrlingsgehalt und da sind 45 sinnlos ausgegebene Euro nicht mal eben so verschmerzt. Sie tat mir so Leid, dass ich ihr anbot, bei Gelegenheit die insgesamt 80 km zu fahren, um die Serie umzutauschen.
Das war gestern.
Ich stehe also an der Kasse und lege dem Kassierer die DVD Serie mit Kassen-Bon auf den Tisch.
"Lassen Sie es hier liegen und suchen sich im Laden was dafür aus" bietet er mir freundlich an.
Ich hingegen habe so gar keine Lust, in diesem anscheinend völlig überteuerten Laden noch irgendwas zu kaufen und erkläre ihm, ebenfalls freundlichst lächelnd, dass ich doch lieber gerne mein Geld zurück haben wollen würde.
Leider, so antwortet er mir, ist das nicht die Politik des Geschäfts: entweder Umtausch oder Geschenkgutschein!
Ich bin so enttäuscht, dass sich mein Französisch postwendend verabschiedet und anstatt zu sagen: Das ist aber echt unpraktisch, denn ich komme von etwas weiter her.
sage ich leicht stotternd:  
Das ist aber echt doof, denn ich komme von sehr weit her.
Ach! Sie sind wohl hier im Urlaub? fragt mich der Mann verständnisvoll.
Noch bevor ich recht verstehe welche Möglichkeiten sich mit diesem Missverständnis eröffnen, greift er schon zum Telefon, nickt mir zu und sagt:
Ich frage nach, ob wir nicht mal eine Ausnahme machen können!
Ich halte fein still, drücke mir die Daumen und nur wenige Minuten später unterschreibe ich einen Zettel auf dem ich zustimme, dass mir der Betrag auf mein Konto via meiner Kreditkarte zurückerstattet wird.
Über der Unterschrift prangt meine "Ferienadresse".
Ich packe meine Kreditkarte wieder in meine Geldbörse, bedanke mich artig und wende mich zum gehen.
Da ruft mir der junge Mann freundlich hinterher: Und schönen Urlaub noch!
Strahlend lächelnd drehe ich mich nochmal um und antworte mit einem französisch perfekten:
Merci beaucoup! J'apprécie énormément votre effort!
Vielen lieben Dank für Ihr Bemühen ...und verlasse gaaaanz schnell das Geschäft.

Kommentare:

schlotterbecksche hat gesagt…

Wie klasse is das denn! Da weißt du ja wie du es machen mußt, lach.

lg petra

Maike Hempel hat gesagt…

Hallo Pia,
ser lustige Geschieschte und eine schöne Idee, das wärde isch in Köln auch värsuchän, nur ist maine Urlaubsadrässe nisch so schön...
LG, maike

Stempelperle hat gesagt…

Liebe Pia,

ich habe mir deine Geschichte gerade beim Morgenkaffee gegönnt und mein Tag kann nun fröhlich beginnen. Wenn mich einer fragt: Wer kann 20 Jahre am Stück Urlaub in Frankreich machen? Dann kann ich die Antwort geben: Ich kenne eine! Das ist PIA!

Tja, manchmal ist ein kleiner Akzent, den man sich in einer Aufregung gönnt, doch seeeeeehr hilfreich. Ich würde das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und im Notfall gezielt einsetzen. Weniger zu empfehlen wäre bei soch einer Aktion der MIlchmann um die Ecke. ;-)

Fröhliche Grüße
Stempelperle

Jan Eickmann hat gesagt…

Das ist ja coll, muss ich mir merken

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Kommentare salzen meine Bloggersuppe ...

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