Mittwoch, 22. Juni 2011

Es gibt gute und es gibt schlechte Tage...

...und über die schlechten Tag spreche ich nicht (mehr).

Geht Euch es Euch auch manchmal so?
Da klingelt das Telefon, ein Verwandter, Bekannter oder flüchtiger Freund ist dran und kaum hat man sich richtig hingesetzt, bekommt man eine Litanei von Jammern und penibler Aufzählung der diversen Krankheiten um die Ohren.
Legt man den Telefonhörer wieder hin, fühlt man sich total ausgelaugt, so als sei man einen Marathon gelaufen, und man wundert sich, warum die eigene Laune auf scheinbar magische Weise von super gut in den tiefsten Keller gerutscht ist.
Über Geld spricht man nicht!
So hieß einer der Erziehungsgrundsätze mit dem ich - wie wir alle, denke ich - groß geworden bin.
Wieso aber glaubt alle Welt, es sei völlig in Ordnung, ihre Mitmenschen, kaum fragt man sie wie es ihnen geht, mit allerlei Weh-wehchen bombardieren zu dürfen?
Die gängige Begrüßungsformel in Frankreich lautet:
'Bonjour! Comment ça va?' Guten Tag wie geht es (dir)?
Die korrekte Antwort lautet:
'Ca va bien et toi?' Es geht gut und Dir?
'Ca va, ca va!'
An dieser Stelle erwartet man keinen detaillierten Krankenbericht.
Im Idealfall freut man sich nur, dass man sich gerade zufällig über den Weg gelaufen ist und tauscht die neuesten Neuigkeiten aus.
Dann gibt es aber die Spezies, die nehmen das 'Wie geht es Dir?' wortwörtlich und überschütten ihren Zuhörer wie aus einem Füllhorn mit Katastrophen, Desaster und Armageddon!

Über Geld spricht man nicht!
Wieso aber eigentlich über Krankheiten und persönlichen Dramen?

Ich kann die Welt und meine Mitmenschen nicht ändern, aber ich kann mir an die eigene Nase greifen und das was mich bei anderen so sehr stört, schon mal bei mir ändern.
Über Geld spreche ich nicht!
Über schlechte Tage auch nicht!

Seit ein paar Monaten mache ich das jetzt so und habe kurioser Weise festgestellt, dass es mir im Großen und Ganzen (moralisch) viel besser geht.
Nein! Die schlechten Tage sind nicht wie magisch weggezaubert.
Ich habe immer noch schlechte Tage, ohne Frage.
Manchmal ist es die Gesundheit, manchmal das Chaos der Großfamilie, manchmal einfach nur die Laune, weil der linke Fuß zuerst aus dem Bett wollte.
Aber dadurch, dass ich es selbst nicht mehr ausführlichst im Gespräch, sei es jetzt am Telefon oder bei einem Treffen im Supermarkt, fein säuberlich durch kaue und meinen armen Mitmenschen mit meinen Geschichten zuspamme, richtet sich mein Augenmerk, und im gleichen Zuge des meines Zuhörers, immer öfter auf nette, positive Dinge.
Hast Du gesehen? Wir haben eine neuen Laden in Pont Audmer?
Es regnet! Na Gott sei Dank! Wir haben es dringend gebraucht!
Hast Du schon die großen neuen Windräder gesehen? Toll, dass sich jetzt auch die Normandie für grüne Energie stark macht!
Meine BF ist dabei ihr zweites Buch zu veröffentlichen!

Es gibt soviel Positives!
Wenn wir lernen unser Augenmerk darauf auszurichten, dann gibt es zwar immer noch Momente in denen wir Abends ins Bett gehen und denken: 'Mann, was für ein Sch... Tag heute!'
Aber die Antwort an uns selbst lautet:
'Na und? Morgen ist ein neuer Tag. Und der wird bestimmt viel besser!'

In diesem Sinne:
Ich wünsch' Euch was!














Kommentare:

Stempelperle hat gesagt…

Hallo Pia,

so geht es mir auch. Ich will nicht immer der Mülleimer der Nation sein. Bei einigen lieben Menschen frage ich schon lange nicht mehr nach deren Wohlbefinden, denn ich kenne die Antwort, die sich über eine für mich endlose Zeit hinzieht, zu genüge. Das Phänomen ist, dass sich bei persönlichem Zusammentreffen nun Göga bemüßigt fühlt, diese obligatorische Frage zu stellen und nun bekommt er die geballte Ladung Krankenberichte ab und schaut fast immer völlig genervt zu mir rüber, wenn er aus Versehen den Ein-Knopf gedrückt hat. Einen Aus-Knopf gibt es bei vielen Menschen nämlich nicht (und wenn, dann seeeeeeeehr versteckt) und er muss da leider durch. Ohne meine verbale HIlfe. Ich gucke mir in dieser Zeit lieber fröhlich die Blümchen an... *breitgrins*

Einen wunderschönen Tag und viele nette Gespräche wünscht dir
Stempelperle

BF hat gesagt…

Bei meiner besten Freundin habe ich gelernt, dass man sich jeden Abend für die schönen Ereignisse und Begebenheiten bedanken soll. Seit dem habe ich schlichtweg keine schlechten Tage mehr (oder besser: Ich nehme sie als solche nicht mehr wahr). Weil: Wenn man addiert, wie viel schönes einem widerfährt, wie viele nette Leute man trifft, verseppelt sich das Negative mehr und mehr.
Heute am Blumenstand wetterte die Verkäuferin wieder los. Das darf sie, und zu mir ist sie ja immer nett. Doch wenn sie ihr Augenmerk nur auf nerviges und stressiges und abturnendes lenkt, habe ich doch schon wieder einen Grund, mich darüber zu freuen, dass ich das Spiel nicht mehr mitspiele.
Sollen sie doch alle meckern und mosern und klagen und schreien. Dieses Gejammer auf hohem Niveau (meine Tochter sagt nur noch: "Die haben echt keine Nivea") geht an mir vorbei wie Schall und Rauch im Wind. ...
Rutscht mir also jederzeit alle gerne den Buckel runter, mit Energie-, Griechenland-, und sonstigen Krisen. Ich kann es nicht ändern, folglich bringt es auch nicht viel, sich aufzuregen.
Da fällt mir noch eine reizende Begebenheit ein: Sparsam wie 84-jährige Schwiegermütter ja sind, hat sie seit Ewigkeiten einen Vergrößerungsspiegel in ihrem Bad aufgehoben, den sie nie benutzt. Vergangene Woche nun, fiel ihr Blick auf eben jenen Spiegel, der die Falten an ihrem (ebenfalls 84-jährigen) Oberarm dick und fett hervorhob. "Ja, bitte!, was soll denn der Mist? Da werden meine Augen immer schlechter und dieser doofe Spiegel glaubt mich nerven zu können? Also bei aller Sparsamkeit, den habe ich jetzt in den Müll entsorgt. Nein, das muss ich mir nicht geben."
So geht es eben auch...
In diesem Sinne,
BF

Paulette hat gesagt…

Ja, das ist genau richtig. Oder eher gesagt, solche Menschen warten nur auf die Erwaehnung des "ça va?" um einen Monolog anfangen zu duerfen. Ich habe mich mittlerweile daran angewoehnt, die Frage mit manchen zu vermeiden. An der Stelle frag ich lieber ob der Ansprechspartner vom letztem Erreignis gehoert hat. Funktioniert ab und zu mal.

Mir kommt es vor allem schlimm vor, wenn Leute extra dafuer telefonieren und nie physisch auftauchen. Wenn man was zu besprechen hat, dann geht man zu seinen Freunden und erzaehlt was, das sich auch richtig lohnt zu mitteilen. Am Telefon ist es nicht nur frech (da der Ansprechspartner meistens auch keine Wahl hat) aber auch daemlich: man kriegt keinen richtigen Trost fuer seine "ich habe so ein Pech" Geschichte. Und meistens steckt was darunter: richtige Dinge, die man nicht erwaehnen will, Einsamkeit, Hilfsbeduerfnis. Um so schwieriger fuer den armen Ansprechspartner, der das ungefaehr spueren kann.

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Kommentare salzen meine Bloggersuppe ...

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