Freitag, 26. Februar 2010

Ich muss, ich muss, ich muss

Spätestens dann, wenn jeder zweite Gedanke mit „ich muss“ anfängt – und ich meine jetzt nicht das „ich muss“ auf dem stillen Örtchen –  und dafür sorgt, dass man am frühen Morgen, gleich nach dem Aufwachen, sich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen würde, ist was faul.
Wenn „ich muss“ ein flaues Gefühl in der Magengegend verursacht und man bei all dem „müssen“ kein Licht mehr am Ende des Tunnels sieht, wird es allerhöchste Zeit die Notbremse zu ziehen.
Aber wie?
Denn … es geht kein Weg daran vorbei:
Ich muss aufstehen.
Ich muss Frühstück machen.
Ich muss das Kind in die Schule bringen.
Ich muss aufräumen.
Ich muss mich um Versicherung, Steuer, Hausmüll, Garten, Tiere und weiß der Geier was sonst noch so alles kümmern.
Ich muss, ich muss, ich muss!
Ich hasse dieses Müssen!
Ganz besonders, wenn „ich muss“ mir sogar die Sachen vergällt, die mir sonst eigentlich Spaß machen:
Ich muss meine Kurse vorbereiten.
Ich muss in die Badewanne.
Ich muss zum Frisör.
Ich muss einen Blogartikel schreiben.
Wie eine schlechtgeschneiderte Tarnkappe verhüllt das „ich muss“ die innere Unlust auf den sich permanent wiederholenden Alltagskram.
Wenn dann zu dem eigenen „ich muss“ auch noch das „du musst“ des Göttergatten, der Mutter oder der Kinder dazu kommt, ist der Ofen ganz aus.
Mami, du musst mitbringen.
Liebling, du musst den oder den anrufen.
Du musst doch wissen, ob…
Frauchen, du musst mich füttern.
Kind, du musst mich besuchen kommen.

Spätestens jetzt fangen die Beatles in meinem Kopf an zu jodeln:
Help! I need somebody!
Help! Is there anybody?
Hu huhu huhu!

Wenn ich Sohnemann morgens in die Schule bringe, plane ich auf dem Rückweg meistens meinen Tag.
Was muss heute alles erledigt werden? Um was muss ich mich als erstes kümmern? Welche Besorgungen müssen gemacht werden?
Normalerweise kein Ding.
Aber nach dem langen, ermüdenden Winter merke ich, wie mir meine „Ich muss“ - Liste fürchterlich auf den Magen schlägt.
Warum „muss“ eigentlich immer ich?
Können andere nicht auch mal für mich „müssen“?
Meine innere Stimme rät mir meine „Ich muss“ Mantra umzuformulieren:
„Dreh es um!“ befiehlt mir IS (= innere Stimme)
Ich möchte gerne putzen.
Ich möchte gerne einkaufen.
Ich möchte gerne kochen.
„Sorry IS! Aber das funktioniert nicht! Selbst wenn ich sage, dass ich es „möchte“, weiß ich doch, dass ich „muss“! Das hilft mir überhaupt nicht!
„Dreh es um!“ kommt erneut der Befehl.
Ich verstehe nur Bahnhof!
Manchmal hasse ich meine IS. Vor allem, wenn sie so abwegig ist.
„Dreh das Wort um! Mach aus muss…ssum!“
Häh?
Ich“ssumse“ jetzt putzen?
Ich „sumse“ einkaufen?
Ich sumse Wäsche waschen?
Ich muss grinsen und fange an zu begreifen, wohin mich IS führen will.
Vor meinem inneren Auge sehe ich eine kleine, dicke Hummel eifrig, aber fröhlich, von Blume zu Blume sumsen.
Irgendwie ist das mulmige Gefühl aus meiner Magengegend schlagartig verschwunden.
Ich begreife, wie unglaublich groß der Druck ist, den ich mir mit meinem inneren, nicht enden wollenden „Ich muss-Dialog“ tagtäglich aufbaue.
In dem ich aus dem „ich muss“ eine lächerliche Persiflage mache, verfliegt die innere Anspannung augenblicklich und ich kann loslegen, ohne darüber nachzudenken, dass ich eigentlich keine Lust habe, eben jene „Aufgabe“ heute erledigen zu…..sumsen!
In diesem Sinne sumse ich jetzt mal los!
Euch allen ein Fröhliches Sumsen!

Kommentare:

Kwebbel hat gesagt…

Vielen dank für diesen super geschrieben Post! Ich ssume jetzt in meine Küche und putze meine Spühlmaschiene!
LG und ein schönes Wochenende
Susanne

Toujours-Moi hat gesagt…

Hach, kennen wir das nicht alle? Aber so eine putzige IS hätte ich auch gern *grins*. Ich mach immer nur LOs drüber.

Susanne Hüttner hat gesagt…

Du hast mir meinen Abend gerettet, denn ich MUSS heute auch noch das ein oder andere tun - und genau das Gefühl, das Du beschreibst, hatte ich in den letzten Wochen auch öfters.
Danke für den Denkanstoß!!!

bk-aero hat gesagt…

Vielen Dank für die Eindrücke aus einem wirklich wunderbaren Land. Ich studiere seit anderthalb Jahren in Lille und werde im Sommer nach Deutschland zurückkehren. Ich vermisse die Menschen und das Land jetzt schon.
Und der Post ist wirklich sehr hilfreich!
Ich sumse jetzt mal an meiner Hausarbeit in Marketing weiterschreiben. =D

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Kommentare salzen meine Bloggersuppe ...

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