Samstag, 5. Februar 2011

Wenn sich die gute Laune aus dem Staub macht

Gute Laune zu haben, ist an manchen Tagen verdammt harte Arbeit und erfordert unermüdlichen Einsatz.
Ich bin in fröhliches, ausgeglichenes Menschenkind und ich habe generell Freude an den kleinen Dingen im Leben. Wie wir alle, werde auch ich, so ab und an, von der ein oder anderen mittelschweren Katastrophe heimgesucht. Nach anfänglicher Schockphase, spreche ich mir ziemlich schnell Mut zu, in dem ich mir sage: Mein Gott, es hätte schlimmer kommen können -  das Auto ist zwar Schrott aber die Hauptsache ist, dem Kind geht es gut. Der Hund, die Katze, das Pferd ist leider tot, aber er, sie, es hatte ein wunderschönes Leben. Der Sturm hat zwar das Scheunendach abgedeckt, aber besser die Scheune als das Haus...usw.usw.
Gelegentlich sind es aber eben jene kleinen Dinge, die sich, wie ein dunkler Schatten, leise von hinten an mich heranschleichen, mich mit einem unerwarteten Schubs ins Stolpern bringen, um mir dann meine Ausgeglichenheit genüsslich aus dem System zu saugen.
So geschehen gestern:
Ich bin im Lidl beim Einkaufen und komme mit meinem überquellenden Einkaufswagen an eine menschenleere Kasse. Yippie! Das ganze Kassenband nur für mich.
Ich fange an, alles schön sortiert auf das Band zu legen, als sich eine Dame mit ihrem Caddie hinter mich stellt. Ein kurzer Blick in ihren Wagen verrät mir, dass sie nur wenige Artikel hat. Normalerweise lasse ich als Maxi-Einkäufer die Mini-Einkäufer vor, aber die Kassiererin hat mit dem Einscannen schon angefangen. Die Dame hinter mir beugt sich über ihren Wagen und ich ahne, dass sie mir gleich, von jetzt auf nachher, die Laune gründlich verhageln wird: sie nimmt ihre Wenigkeiten heraus und legt sie auf das Ende des Laufbands! Mein Wagen ist noch mehr als die Hälfte voll und in dem Moment wo das Band zu laufen beginnt, werden ihre Sachen mit meinen kollidieren.
Ich hasse das!
Ich werde nie verstehen, warum manche Menschen das machen.
Wütend funkele ich die Dame an, doch die ignoriert mich stoisch.
Gut! Ignorieren kann ich auch.
Ich packe meine Sachen weiter auf das Band und „ganz aus Versehen“ über ihre hinweg als unsere Einkäufe zwangsläufig ineinander fallen. Irgendwann kapiert sie endlich, dass sie zu voreilig war und packt ihren Kram brummelnd wieder in ihren Caddie.
Jetzt habe ich zwar erreicht was ich wollte, das Band gehört wieder mir, aber es ist zu spät:
Die Gedanken in meinem Kopf schimpfen wie ein Rohrspatz über die ungeduldigen Käufer dieser Welt.
Geraume Zeit später, ich sitze schon lange wieder im Auto, der Einkauf ist im Kofferraum verstaut und ich fahre Richtung Schule um Sohnemann abzuholen, merke ich, wie sich mein gedankliches Hamsterrad immer noch um diesen Vorfall dreht und sich der Hass auf die Dame nicht die Spur gemindert hat. Schlimmer noch: ohne dass ich es bewusst mitbekommen habe,  mutiere ich gerade zu einem pessimistischen  Monster. Meine Gedanken beschränken sich nicht mehr nur auf den Vorfall an der Kasse, sondern ich ärgere mich auch über den lahmarschigen Fahrer vor mir. Und der Idiot der mir im Kreiselverkehr die Vorfahrt nimmt, gehört erschossen!
Ach ja und überhaupt: mit Sohnemann, der mal wieder seine sauber Wäsche aus Faulheit in den Wäschekorb gestopft hat, anstatt sie zusammenzulegen und aufzuräumen, habe ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen! Ja Himmel Herrschaft, bin ich denn der Depp für alle?
 Ich merke richtig, wie sich der Ärger ein Loch in meinen Bauch frisst und die Furche zwischen meinen Augenbrauen selbst mit Botox nicht mehr in den Griff zu bekommen wäre.
"So meine Liebe! Jetzt komm‘ mal wieder runter" weise ich mich barsch zurecht als ich ein paar Minuten später auf dem Parkplatz vor der Schule den Motor ausmache und die Handbremse anziehe.
Aber so einfach geht das nicht.
Ich weiß, dass die schlechte Laune, die ich verspüre, hausgemacht ist.
Niemand außer mir ist daran schuld.
Nicht einmal die Dame vom Lidl.
Die war einfach nur gedankenlos und ich bin freiwillig mit beiden Beinen in den Graben gesprungen, von dem ich überzeugt war, dass sie ihn mir ausgehoben hat.
Stück für Stück ziehe ich mich gedanklich aus der Misere und versuche aus dem Elefanten wieder eine Fliege zu machen. Denn genau das war der Vorfall im Lidl: eine klitzekleine Fliege, die mich, warum auch immer, eiskalt von hinten erwischt hat.
Als mein Sohn sich auf den Beifahrersitz fallen lässt, bin ich fast wieder normal.
Noch habe ich zwar keine wirklich gute Laune, aber ich reiße ihm auch nicht gleich wegen der Wäsche den Kopf ab.
Und wieder einmal kapiere ich: schlechte Laune zu haben ist easy. Sie verbreitet sich wie ein Lauffeuer und ist ansteckender als die Pest.
Sich ganz bewusst für das Gegenteil, also Gute Laune, zu entscheiden erfordert Kraft und Ausdauer.
Aber hey, was tut man nicht alles für einen gesunden Magen und ein faltenfreies Gesicht.

Kommentare:

Birgit hat gesagt…

Vielen Dank für diese Gedanken! :)
Mir geht es leider auch oft so, aber in Zukunft werde ich ganz fest an meinen gesunden Magen und mein faltenfreies Gesicht denken :)
Liebe Grüße,
Birgit

Anna hat gesagt…

So wunderbar geschrieben!!! VIELEN DANK! Ich entscheide mich hier und jetzt für gute Laune!

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Kommentare salzen meine Bloggersuppe ...

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