Montag, 10. September 2012

Eine (Haus-) Bestellung beim Universum: 3. und letzter Teil

Fortsetzung von: Eine (Haus-) Bestellung beim Universum Teil 1 und Teil 2 
Da waren wir nun, Mamalu und ich.
Mitten in Pont Audemer, an einem strahlend schönen und warmen Sonntagmorgen im August.
Die Straßencafés hatten ihre Tische und Stühle auf die Gehsteige gestellt, junge und alte Menschen, Mütter mit ihren Kindern, Freunde und Freundinnen diskutierten angeregt bei ein Tasse Kaffee oder einem frühen Aperitif die Geschehnisse, Skandälchen und Neuigkeiten. Die Metzgereien schielten neidisch auf die Bäckereien, die ihre Glastüren weit öffneten, um von der überraschend späten Hitzewelle wenigstens ein bisschen etwas ab zu bekommen und vor deren Türen die Menschenschlange stand, eifrig untereinander diskutierend und geduldig wartend, um sich mit frischem Baguette für das Mittagessen einzudecken. Die bunten Nationalflaggen entlang der Rue de République  wehten leicht im Wind und aus den Lautsprechern dudelte ein im Moment schwer angesagter französischer Hit.
Meine Hand fest unter ihrem Ellenbogen geklemmt, schleuste ich Mamalu Richtung Immobilienmakler, vorbei am Tante Emma Laden, der mit seinem ausladenden Obststand locker zwei Drittel des Bürgersteigs belegt und wie ein Nadelöhr regelmäßig für Stadtgängerstau sorgt. Im Zigzag Modus kreuzten wir die kopfsteingepflasterte und gut befahrene Straße, ... auf diese Art würden wir in kürzester Zeit die Schaufenster der Agents Immobilier eingehend studieren können ..., auf der die Fahrer der Autos im Schritttempo ziemlich aussichtslos nach einem zufällig frei werdenden Parkplatz Ausschau hielten und von dem diensthabenden Gendarme ungeduldig weiter gewunken wurden.
Erstaunt kommentierte Mamalu das bunte Treiben unserer normannischen Miniaturstadt.
"Ist hier Sonntags immer soviel los?"fragte sie.
"Eigentlich schon", antwortete ich. "Es sei denn es regnet in Strömen."
"Und die Geschäfte sind auch alle auf?"
"Die Bäcker, Floristen und Metzger auf jeden  Fall, und der Supermarkt eine Straße weiter bis mittags."
"Das wäre in Deutschland undenkbar! Die Politiker und die Kirche würden sich gegenseitig die Köpfe einrennen."
"Und hier würden die Franzosen eine erneute Revolution ausrufen, wenn sie nicht täglich ihr frisch gebackenes Baguette bekämen." Ich grinste frech und stoppte vor einem Schaufenster.
Eingehend studierten wir die Bilder und Beschreibungen der vielen angebotenen Häuser und ich fing den ein oder anderen überraschten Blick eines Mitbetrachters ein, als ich laut, mich gefühlt hundertmal wiederholend, übersetzte:
"Also! Dieses Haus ist in der Nähe von Pont Audemer, hat 160qm Wohnfläche, 3000 qm Grundstück, 3 Schlafzimmer, Bad, Extra WC, Dusche, keine Garage, kein Keller ......und dieses Haus hat...."
Nach dem fünften Maklerfenster schwirrte Mamalu zusehends der Kopf und ich hatte ein Knoten in der Zunge.
"Komm", sagte ich. "Hier in der Seitenstraße ist auch noch ein Makler. Den schauen wir uns noch an und dann fahren wir wieder heim." Mamalu nickte dankbar.
Pont Audemer, von den Normannen auch liebevoll  Venise Normande genannt, hat drei parallel verlaufende Hauptstraßen, die in sich mit zwei kleinen, engen Gässchen verbunden sind. Und in einer dieser Gässchen standen wir jetzt und starrten auf das Bild von einem Haus, auf das wir beide, wie durch ein geheimes Kommando, gleichzeitig mit dem Finger deuteten.
"Wow!" sagte Mamalu! "Das gefällt mir."
Ich las die Beschreibung vor. Ich kannte das Haus aus dem Internet und hatte es trotz wie Faust aufs Auge passender Kriterien immer wieder verworfen, da es unser Budget massig überschritt. Hatte ich mich geirrt? Verwirrt schaute ich auf die Beschreibungstafel. Der Preis war auf dieser Anzeige durchaus akzeptabel.
Mamalu war begeistert und ich versprach ihr, den Makler gleich am Montag zu kontaktieren.
Zuhause ankommend, waren der Schottengatte und Kleine Tochter verschwunden und mit einem mulmigen Gefühl im Magen hoffte ich, dass sich der SchoGa von unserem Missverständnis (siehe Teil 2) wieder erholt hatte und nicht all zu sauer war.
Wir machten uns etwas zu essen und ich saß nur wenig später, bewaffnet mit einer starken Tasse Kaffee, vor dem Rechner und machte die Seite auf, die das Haus, welches uns im Schaufenster so gut gefallen hatte, in allen Einzelheiten beschrieb. Mamalu schielte mir über die Schulter und seufzte:
"Ach Kind ich glaube, das wäre es! Wenn es nur hier in der Nähe wäre!"
Ich starrte auf die Bilder.
Es war nur wenig über unserem Budget.
Das war echt komisch. Ich hätte schwören können, es war viel teurer.
Auch alles andere schien zu passen.
Nähe Pont Audemer.
Eine ungewöhnlich große, begehbare Treppe führte vom Parterre ins Obergeschoss.
Eine Garage, ein Speicher und ein Keller waren vorhanden.
Ein Schlafzimmer im Erdgeschoss.
Eingebaute Küche.
Der Garten alt und wunderschön angelegt. Das Grundstück groß genug...
Auch ich seufzte jetzt aus der ganzen Tiefe meiner Atmungsorgane.
Und wo ist das Ganze jetzt bitteschön eine Universumsgeschichte???
Das Universum betrat just in dem Moment erneut die Szene, als der Schottengatte mit Kleiner Tochter und Mondscheinbaby wieder zu hause ankamen.
"Ich glaube wir haben ein Haus für Mamalu gefunden" sagten der SchoGa und ich wie aus einem Mund.
Erstaunt sahen wir uns an.
Ich drehte den Rechner in seine Blickrichtung.
"Das gibt es jetzt nicht!" sagte er als er sich die Bilder auf dem Bildschirm anschaute. Er setzte sich neben mich an die Frühstücksbar und knipste seinen IPad an. Nach einem kurzen Moment des hin und Her Gewisches mit seinem Finger auf dem Schirm, drehte er ihn zu mir und ich sah ein Haus, das dem "meinigen" verdammt ähnlich sah.
"Das ist das gleiche Haus!" rief ich ungläubig aus.
"Kleine Tochter und ich sind ein bisschen herum gefahren und dabei haben wir im Nachbardorf, also quasi 2 Minuten von hier Richtung Pont Audemer dieses Haus mit Verkaufsschild entdeckt. Und ich glaube, es ist genau das wonach wir gesucht haben."
"Das gibt es jetzt nicht!" wiederholte ich kopfschüttelnd.
Am nächsten Morgen stellte ich mein Universum auf die Probe.
'Wenn du es schaffst mit heute einen Besichtigungstermin zu beschaffen, und zwar noch vor dem 16h Termin mit dem anderen Makler, dann ....' dachte ich in Richtung höheren Sphären und ging ins Wohnzimmer, um zu telefonieren.
Ja was dann?
Wie viel Beweise brauche ich eigentlich noch, um zu wissen, dass auf mein Universums-Bestellhaus immer Verlass ist?
Als ich den Telefonhörer wieder hinlegte, war ich sprachlos.
Das passiert mir selten.
Erwartungsvoll sahen mich die Augenpaare der anwesenden Familienmitglieder, die noch am Frühstückstisch auf der Terrasse saßen, an.
"Und?" fragte Kleine Tochter angespannt
"Um 14h treffen wir uns mit dem Makler direkt vor dem Haus!"
Wir kamen, wir sahen und wir kauften!
Alle Kriterien, die ich so penibel aufgelistet hatte, siehe Teil 1, wurden mehr als nur erfüllt.
Der Eigentümer hatte nur wenige Tage vor unserem Besuch den Verkaufspreis um 70 Tausend Euro gesenkt, um den etwas schleppenden Verkauf - der Immobilienmarkt ist im Moment ziemlich überfüllt - endlich anzukurbeln und die Immobilie somit - Halleluja Universum - in unseren preislichen Rahmen gebracht.
Das einzige was fehlt ist ... der Fischteich!
Der allerdings wird durch einen wunderschönen verglasten Windfang ersetzt , der groß genug ist, um darin, an einem kleinen Tisch sitzend, zu frühstücken.
Und schließlich hatte ich ja angegeben, dass ich bereit wäre, den ein oder anderen Kompromiss einzugehen.
Ich finde, da kann man nun wirklich nicht meckern.
☺☺☺


Kommentare:

Kathi hat gesagt…

Ja.. manchmal geht das Schicksal seltsame Wege. Aber siehste wieder - wer weiß wozu es gut ist, wenn die erste Variante von was auch immer schief geht ;-)

Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Haus und dass jetzt alles passt. Und zu deinem guten Draht zum Universum ;-)

schlotterbecksche hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch!!!!! Das sit ja der Hammer!!!!!

lg petra

Bille hat gesagt…

Wahhh, wie toll, ich hab richtig Gänsehaut!

Sabrina hat gesagt…

Happy Birthday liebes Mondscheinbaby!!!
Und auch Glückwunsch zum neuen Haus ;)

Susille's paper hat gesagt…

Ist ja klasse, dass es so geklappt hat, wie bestellt ;-). Alles Gute für den Umzug und dir heute einen ganz besonders schönen Geburtstag!
Liebe Grüße Susanne

Faserträume hat gesagt…

Ein Traum! Ganz tolle Fotos, man könnte direkt neidisch werden.
Ich wünsche Euch viele gute Jahre im neuen Heim.
LG
Barbara

Stella hat gesagt…

Bin begeistert. Bei mir klappt das ja auch immer, ich lasse mich nur immer wieder von "realistischen" Zeitgenossen überzeugen, dass das alles Zufall ist (das ist von den "Realisten" gar nicht böse gemeint, ist halt deren Weltbild). Danke auch hier für die Erinnerung!

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