Montag, 4. März 2013

RIP Kleiner Igloo

Der Tag fängt eigentlich recht harmlos an.
Geweckt werde ich von einem kratzenden Geräusch auf der Fensterbank. Dort steht eine Schüssel mit Katzenfutter, damit der alte, 18 jährige Stubentiger in aller Ruhe fressen kann, ohne von den wesentlich jüngeren Katzen, die normalerweise in der Küche gefüttert werden, genervt zu werden. Ein leise schnurrendes Geräusch an meinen Ohren bezeugt aber von seiner Anwesenheit neben meinem Kopfkissen und so kann das Geräusch nur einer der anderen Rabauken sein, der sich hoch geschlichen hat, um zu schauen, was es hier oben besseres zu fressen gibt. Mit einem kurzen scharfen Befehl auf den Lippen hebe ich den Kopf und sehe auf der Fensterbank ... nichts ... außer der Futterschüssel. Merkwürdig. Ich kuschele mich wieder ins Kopfkissen.
Da! Schon wieder! Kratz, kratz, klapper, klapper.
Ich setze mich genervt auf.
Niedlich runde Ohren gepaart mit kleinen Knopfaugen und vibrierenden Barthaaren, die immer wieder erschreckt über den silbernen Rand der Schüssel nach Gefahr lauschen, um dann ruckartig zu verschwinden damit sich der Rest des Körpers blitzschnell um die eigenen Achse drehen und mir kackfrech ein Hinterteil mit dem fadenähnlichen, langen Schwanz präsentieren kann, zeugen von einem kleinen frechen Nager, der sich an den Resten des Katzenfutters zu schaffen macht.
Himmel! Mir bleibt im Moment aber auch nichts erspart!
Jetzt kann ich wieder auf Mäusejagd gehen, was ja eigentlich die Aufgabe meiner Katzen wäre. Aber die schleppen die Mäuse lieber ins Haus, als sie nach draußen zu befördern. Blöde Viecher!
Dass die Maus in meinem Haus an diesem Tag mein kleinstes Problem sein wird, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Ich sitze bei meiner zweiten Tasse Kaffee ... da klingelte das Telefon. Ich schaue auf den Display und die Handy Nummer von Großer Tochter verheißt nichts Gutes. Sie ist schon draußen bei den Pferden und ihre Worte: "Mammi! Igloo liegt und ich bekomme ihn nicht hoch!" bewahrheiten die schlimmen Befürchtungen der letzten Tage. Schon seit Wochen sind wir in große Sorge um das kleine weiße Pony vom Mondscscheinbaby.
Nur wenig später stehe ich in meiner normannischen Arbeitsuniform, Gummistiefel, knallrote arktische Windjacke, Ohrschützer und Hardware Handschuhe - elegant geht anders - im Stall und gemeinsam versuchen wir Igloo  auf die Beine zu hieven.
Aber so sehr wir uns auch bemühen, ich kann mich des  Gefühls nicht erwehren, dass der kleine Mann den Kampf für sich aufgeben hat.
Es ist so ungerecht.
Lebenslang hat  Igloo hart als Schulpony arbeiten müssen. Bei Wind und Wetter, Regen und eisiger Kälte. Er und seine Arbeitskumpels hatten nur einen zugigen Unterstand, um sich nach getaner Arbeit eng aneinander gekuschelt von den Strapazen der an den Zügel ziehenden und in die Flanken tretenden kleinen Kindern zu erholen.
Als er zu uns kam, muss es ihm so vorgekommen sein, als wäre er im Paradies gelandet.
In einem dick mit frischem Stroh ausgelegten Stall, inklusive nach Sommer und Sonne riechendem Heu und Granulat, muss er sich vorgekommen sein wie in einem 5 Sterne Hotel. Und obwohl uns kurz nach seiner Ankunft bestätigt wurde, dass er gesundheitlich nicht auf der Höhe ist, (der Tierarzt vermutete einen Hirnschlag) war die liebevolle Dankbarkeit in seinen großen braunen Augen für uns Bestätigung genug, das Richtige getan zu haben, auch wenn es klar war, dass das Mondscheinbaby ihn nie reiten würde können. Sie ist mit ihren zwei Jahren sowieso noch zu klein, aber dass sie wie ihre Tante, mit dem Ich-bin-total-Pferde-narrisch-Gen auf die Welt gekommen ist, zeichnet sich jetzt schon ab. Ihre ersten Worte neben Papa, Maman, Mimi, waren Igloo und Hühü für den Rest der Herde.
Ach ja - es ist schon traurig, ihn gehen lassen zu müssen.
Die tröstenden Worte der BF legen sich ein paar Stunden später um meine Seele wie eine gute Feuchtigkeitscreme um raue Hände:
Mann, das mit dem Pony tut mir so leid, auch wenn es irgendwie absehbar gewesen sein mag. Hier wäre ein Wunder wahrlich toll angekommen, es kommt mir so sinnlos vor. Aber vielleicht... war es eines dieser Tiere, das zu dir zum Sterben gekommen ist, um vorher noch die volle Ladung Liebe abzugreifen...

RIP Kleiner Igloo. 
Wir hätten dich gerne noch ein bisschen länger mit Liebe verwöhnt .

Kommentare:

Bille hat gesagt…

Ach Mönsch, das tut mir soo Leid. Armer kleiner Kerl. :(((

Anonym hat gesagt…

Liebe Pia, ich habe deine Blog erst vor einigen Tagen entdeckt und ihn nun von Anfang an gelesen. Ein toller Blog. Dass mit Igloo tut mir sehr, sehr leid. Für euch und für ihn, er hätte noch einige schöne Jahre in eurem 5 Sternepferdehotel verdient nach seinem traurigen Ponyleben. Gott sei Dank konnte er noch ein wenig Zeit bei euch genießen und auch bei euch seinen Weg zu Ende gehen.
Alles Gute, liebe Grüße aus Bayern, Susanne


Ingrid -auchwas- hat gesagt…

Oh, wie traurig! So wunderbar geschriében. Das gehen lassen von einem geliebten Tier ist schwer, das mußte ich auch mehrmals schmerzlich erfahren. Bleiben tut die Erinnerung und hier in Deinem Fall zusätzlich, das Richtige und Gute getan zu haben.
Liebe Grüße
Ingrid

Maike hat gesagt…

Ist das ein guter Morgen, wenn er mit einer Träne beginnt, die über meine Wange kullert?
Ja, es ist definitiv ein guter Morgen. Weil es noch Menschen gibt, die Gefühle haben und diese auch zeigen und in so schöne Worte fassen können, wie ich sie gerade hier gelesen habe.
Und weil es Ponies gibt, die den Himmel vor dem Himmel kannten...
Schrecklich pathtisch, ja. Aber schön, finde ich es trotzdem.
Gruß
maike

Stempelperle hat gesagt…

Liebe Pia,

mir stehen die Tränen in den Augen. Ich habe so gehofft, dass Igloo es schafft und ein gutes Leben bei euch führen kann. Wie sehr hätte ich es euch und Igloo gegönnt, noch viel Zeit miteinander verbringen zu können.


"Als der Regenbogen verblasste
da kam der Albatross
und er trug mich mit sanften Schwingen
weit über die sieben Weltmeere.
Behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts.
Ich trat hinein und fühlte mich geborgen.
Ich habe euch nicht verlassen,
ich bin euch nur ein Stück voraus."


Mach's gut, Igloo! Denke immer daran, du wurdest geliebt.

Ich drücke dich still und bin in Gedanken bei euch.


Ganz liebe Grüße
Deine Stempelperle

Stella hat gesagt…

Musste mal kurz 'ne Runde heulen. Ich hoffe, Ihr rettet wieder eine liebe Seele und Igloo wird dann deren Schutzengel. Liebe Grüße aus dem Norden!

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Kommentare salzen meine Bloggersuppe ...

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