Sonntag, 15. Juli 2012

Wer heute noch bügelt ist selber schuld...

...oder: wie man sich mit einen kleinen Trick eine Menge Arbeit ersparen kann.


Es soll ja Leute geben, die bügeln gerne.
Die stellen sich mit Bügelbrett und Dampfbügeleisen vor den Fernseher und verbringen Stunden in verzückter und glättender  Aktivität. Meine Mutter, sie gehört zu dieser, in meinen Augen, fast außerirdischen Spezies, hat sogar einen "Bügelkeller"!
Auf dem alten Radio aus meinen Kindertagen ist der Klassik-Sender eingestellt und beim bügeln schmettert sie mit falschem Falsetto - "Kind ich habe in meiner Jugend mal sehr gut gesungen!" Ja, ja Mama wer es glaubt wird selig -  die Arien vom Riegelotto und Co.
Und dann gibt es Leute - zu denen gehöre ich - die finden Bügeln einfach nur ätzend.
Erstens habe ich keinen Keller. Die gibt es in alten normannischen Häusern nicht, und selbst wenn, würde ich ihn ganz bestimmt nicht nach der mir so verhassten Tätigkeit benennen.
Zweitens mag ich keine klassische Musik.
Drittens kann ich vor dem Fernseher nicht bügeln, da ich vor lauter fernsehen das Bügeln vergesse und so habe ich am Ende des Tages zwar viel fern gesehen aber immer noch ungebügelte Wäschegebirge.
Viertens ärgere ich mir ein Loch in den Bauch, wenn Sohnemann das dritte T-shirt von unten, im 40 Stück großen Hemdenturm heraus zieht, das Ganze dabei auf geheimnisvolle Art und Weise um mindestens 180 Grad auf den Kopf und um die eigene Achse dreht, so dass der schiefe Turm von Pisa im Vergleich dazu kerzengerade anmutet ... um es sich dann doch anders zu überlegen und das herausgezogene Hemd zerknüllt in der Ecke liegen zu lassen.
Ich habe mit meiner Zeit einfach etwas Besseres zu tun.
Scrapbooken zum Beispiel.
Oder Blogposts schreiben.
Da ich  - und der Rest der Familie  - aber nicht mit verknautschten Klamotten herumlaufen wollen, musste eine Lösung her .... eine Lösung, auf die mich verrückterweise meine bügelbesessene  Mutter brachte.
Als die Kinder noch klein und zu jung waren, um sich in Eigenverantwortung um ihre Klamotten zu kümmern, kam regelmäßig die Oma aus dem fernen Deutschland zu Besuch und beschäftigte sich wochenlang mit unserer Wäsche. Sie sortierte und wusch und bügelte was das Zeug hielt und kurz vor ihrer Abreise hätten meine Schränke durchaus für eine Home-Story-Foto-Reportage von Schöner Wohnen herhalten können.
Ich muss zugeben: ein farbsortierter, aufgeräumter Wäscheschrank ist eine Wohltat für die Seele und auch die Kinder standen morgens staunend vor den Reihen einwandfrei gefalteten Kleidern, Hemden und Blusen.
Der einzige große Knackpunkt zwischen uns und der Großmutter waren die Jeans.
Nichts fanden die Joungster und der Schottengatte so ätzend, wie mit einer mit Bügelfalte versehener Jeans in der Schule bzw. im Büro auflaufen zu müssen.
"Mimi! Nicht die Jeans bügeln! Biiiitttttte!" hallte es jeden Sommer durch das Haus. Das ging soweit, dass die Kinder ihre Jeans regelrecht vor der Oma versteckten.
Meine Mutter befand sich somit in einem großen Dilemma.
Nichts hasst sie so sehr wie Falten.
Die Anschaffung eines Trockners, in unserer verregneten Normandie fast lebensnotwendig,  erschwerte ihr die Aufgabe nicht unwesentlich. Denn wer einen dieser Geräte hat, weiß: alles was da raus kommt ist hoffnungslos verknautscht.
Irgendwann kam sie auf die grandiose Idee, die Jeans darin etwa 5 Minuten lang aufzuheizen, sie dampfend heiß zu entnehmen, sie glatt zu ziehen, und sie mit dem  "Kopf" nach unten auf dem Wäscheständer zu hängen.
So wurden die Jeans super glatt, waren nicht gebügelt und hatten keine von uns allen so verhasste Bügelfalte. Wir waren häppy und Mimi auch!
Nur unwesentlich später habe ich diese Methode auf die ganze Wäsche angewandt, mir einen platzsparenden Wäscheständer im Turmformat, eine Kleiderstange vom Schweden und ganz viele Bügel besorgt.
Wenn ich jetzt wasche, kommt die Wäsche im Anschluss in den Trockner und wird nach spätestens 10 Minuten dampfend heiß - Achtung, dabei kann man sich anständig die Hände verbrennen - entweder auf den Wascheständer oder, wie bei T-Shirts und Hemden beispielsweise - auf Bügel und an die Kleiderstange gehängt. Nur kurz das Fenster aufgemacht und gelüftet, damit der Wasserdampf entweichen kann und die Wäsche ist nicht nur in Rekordzeit, ganz ökologisch trocken, sondern auch bügelglatt. Mein Bügeleisen steht nun ziemlich einsam und verloren in seiner Ecke und setzt Staub an.
Und da ich mal davon ausgehe, dass auch meine netten Leser in ihrem Leben Besseres vorhaben, als sich beim Bügeln die Beine in den Bauch zu stehen, dachte ich mir, ich teile meine Methode mit ihnen, damit sie  die so gewonnene Zeit mit "vernünftigeren" Sachen verbringen können.
Ich wünsche Euch ein tolle, neue, bügelfreie Woche.
♥♥♥

Kommentare:

Sabrina hat gesagt…

Hallo Pia,
meine zukünftige Schwiegermama macht das auch so, sie wurde durch Ihre Schwester die in der USA studierte darauf gebracht, denn dort ist das Gang und Gebe. Sie hatte diesen Tipp auch bitter nötig bei 5 Kindern ;P

Kathi hat gesagt…

Liebe Pia,

die Idee ansich klingt prima. Ich bin auch jemand, der jedes T-Shirt bügelt weil ich zerknitterte Klamotten nicht leidern kann. Auch die Jeans werden "behandelt", allerdings ohne Bügelfalte ;-)

Nun würde ich ja zu gern die Sache mal ausprobieren, ich habe aber Schiss, dass mir die Klamotten auch schon bei den 10 min einlaufen. Tust du *alles* so behandeln, auch die 30° Wäsche? Und welche Temperatur stellst du am Trockner ein?

LG Kathi

Sonja hat gesagt…

Hallo Pia, ich schmeiß mich weg...
Ich seh dich gerade mit fliegenden Fahnen vor der Bügelwäsche flüchten...
Ich gehöre allerdings zu der eher seltenen Spezies der gerne bügelnden Frauen, ich gestehe es! Ich bügel allerdings ohne Fernsehen, ohne Musik, ganz in Ruhe, - nur so für mich ...herrlich! Es gibt nichts (bzw, nicht viel) Schöneres als glatt gebügelte Wäscheberge... egal ob Trockentücher (ich höre dich gerade laut aufschreien..) oder Boxershorts oder Unterziehshirts...vor mir ist nichts sicher! Das ist für mich fast wie Meditation, und so'n kleinen Spleen gönne ich mir!!!
Ganz liebe Grüße und morgen einen guten Start in die neue Woche,
Sonja

Gute Laune in Frankreich hat gesagt…

@Kathi: alles Kathi, ohne Ausnahme. Wenn es sehr wärme empfindlich ist, Wolliges zum Beispiel, lasse ich sie nur ein paar Minütchen drin und hole sie dann raus.10 Minuten sind eigentlich die längste Zeit; Es geht ja nur darum die Wäsche, wie beim bügeln heiss zu bekommen und so mit Hilfe des im Stoff enthaltenen Wassers die Falten herauszudampfen. Ich hole die Wäsche in Potionen heraus, damit ich Zeit genug hab, die Wäsche auch wirklich heiß aufzuhängen. Trau Dich ruhig.
@Sonia Bravo!:-) Du und meine Mama vibrieren auf der gleichen Ebene. Genau das gleiche sagt sie auch. Sie sagt, sie kann dabei so herrlich entspannen.Beneidenswert! Bei drei Kindern, wie in meinem Fall, würde ich aber wohl vor lauter "Entspannen" ins Koma fallen und dazu bin ich viel zu hippelig ;-)

Die Kreative hat gesagt…

Liebe Pia!
Ich liebe Deine Geschichten, einfach herrlich erzählt und sooo kurzweilig zu lesen!
Ich bin so eine "Sonntag-Abend-beim-Tatort-Büglerin" Allerdings nur im Winter.
Im Sommer entfällt diese Tätigkeit so gut wie ganz. Nur die wichtigsten Dinge (zum Glück bin ich eher "Handwerkerin" und muss nicht im weissen Blüschen arbeiten.) Der Mann an meiner Seite hat das gleiche Glück - und den Kiddies ists wurscht. Noch...
Liebe Grüsse aus dem April-Wetter-Berlin,
Andrea

gaby hat gesagt…

liebe Pia
obwohl ich auch in der Normandie lebe ,habe ich keinen Waschetrockner - im Sommer zähle ich auf den kraftigen Wind an der Kuste, im Winter wird drinnen getrocknet; Dafür habe ich einen Mann(seit 1 Jahre in Rente), der begeistert gern bügelt (ja sowas gibt es!!!) und ich muss sogar die Tshirts von Sohnemann vor ihm verstecken (sag gleich zusammenlegen und in sein Zimmer bringen) da er meint, die Bügelei wurde den Logos auf denTshirts schaden und man mUsste sie links bügeln ... und Jeans werden überhaupt nicht gebügelt... also bleiben mir nur die grossen Bettbezüge und Bettlaken zu bügeln...
gruss
gaby

Maren hat gesagt…

Mein Mann ist in unserem Haushalt der leidenschaftliche Bügler! Yah, wirklich. Ich hab seit Jahren kein Bügeleisen mehr angefasst. Aber Dein Tipp hört sich gut an! Mal sehen, was der GöGa dazu sagt!

Bille hat gesagt…

Ich bring immer alles zur Lebenshilfe, die bügeln das für mich. ;-)

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Kommentare salzen meine Bloggersuppe ...

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