Sonntag, 10. November 2013

Ich will mein Leben zurück

 Ist alles ok bei Dir?
Was macht der Süden?
Man hört ja gar nichts mehr von Dir?!
Alles alarmierte Anfragen von meinen netten Bloglesern die sich fragen, ob ich überhaupt noch am Leben bin.

  Was habe ich früher, als aufmüpfiger unwissender Teenager, auf den immer gleich ablaufenden Tagesrhythmus meiner Eltern geschimpft.
Früh morgens um 8H wurde gefrühstückt.
Von 9H bis 10H ging man mit dem Hund.
Mittags 13H stand punktgenau das Essen auf dem Tisch.
Danach ein Nickerchen zur Verdauung.
Gegen 16H ging man wieder mit dem Hund, im Anschluss wurde Kaffee getrunken und leckerer, selbstgemachter Kuchen gegessen.
Um 19H gab es Abendbrot und irgendwann gegen 23H gingen die Lichtlein aus, das Wohnzimmer wurde gelüftet noch während im Fernseher die Spätnachrichten liefen und man ging ins Bett.

 Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass ich es irrwitzig finde, sich so kurz vor dem Schlafengehen Geschichten von Mord, Totschlag und sonstigen Gräueltaten ins Gehirn zu ziehen, nur damit das arme Unterbewusstsein die ganze Nacht damit verbringen muss, die schrecklichen Bilder und die so geschürten Ängste zu verarbeiten, ich schwor mir damals ... dass ... ich ... so ... nie leben wollte. Das Universum muss mir sehr genau zugehört haben, denn nur wenig später trat ein Schotte in mein Leben, der mir versprach, dass ein Leben mit ihm nie langweilig werden würde.
Irgendwie ging von da an die Post ab.

 Das schottisch deutsche Abenteuer startete mit einem Umzug in die französische Hauptstadt, die von uns nach knapp zwei Jahren fast fluchtartig wieder verlassen wurde, nur um, nach einem kurzen Zwischenstopp in dem wesentlich ruhigeren, besinnlichen aber auch leider ziemlich teuren Fontainebleau südlich von Paris, in der ebenso beschaulichen aber wesentlich günstigeren Normandie weiter erlebt zu werden.

Kinder kamen, drei an der Zahl, gleichzeitig mit vom Schlachthof geretteten Pferden und von einer Katzenmutter verstoßene Kätzchen, die im Drei-Stunden-Takt mit der Flasche aufgepäppelt werden wollten. Dazu gesellten sich auf dem Wochenmarkt zur Schau gestellte Kaninchen, - Mami die sind ja sooo süss, ! -  die sich prompt aus ihren eilig errichteten Ställen buddelten und in den Tiefen des großen, normannischen Gartens auf Nimmerwiedergesehen verabschiedeten. Sehr zur Trauer von großer und kleinen Tochter versteht sich.

 Hühner, auf selbigen Markt, diesmal vom Schottengatten für ein paar Cent erstanden, die nichts anderes im Kopf hatten, als dusslig herum zu gaggern und kein einziges Ei legten, fanden ihren Weg genauso zu uns, wie unzählige Goldfische in Plastiktüten, gewonnen auf der alljährlichen Kermes in Pont Audemer, die sich prompt als kostspieliges Hobby entpuppten, musste ja nun in aller Eile ein anständiges Aquarium mit bepflanztem Innenleben her.
Der damals noch kleine Sohnemann glaubte übrigens, dass auch Fische Milch und Orangensaft trinken müssen, um groß und stark zu werden und so stand ich oft mehrere Stunden in der Woche putzender Weise in der Küche, um den armen Viechern eine lebenswerte und glasklare Umgebung zu erschaffen. Einer der golden schimmernden Flossentiere segnete sogar das Zeitliche im Maul der mittlerweile zu sieben Köpfen angewachsenen Katzenschar, weil eben jener Sohnemann überprüfen wollte, ob Katzen auch wirklich so gerne Fische fressen. Kurz darauf beendete ich das Kapitel Kaninchen-Hühner-Fische in meiner schottisch deutsch französichen Abenteurer Geschichte ein für alle Mal und drohte jedem, der sich meinen Vorgaben widersetzte, mit Scheidung!

 Siehste? sagte der Schottengatte, "I promised you,  life with me would never be boring."
Nun war ich aber an einen Punkt gekommen, wo das Leben durchaus ein bisschen langweiliger hätte werden können und irgendwie schien der tröge Tagesablauf meiner Eltern dann doch nicht mehr so unerstrebenswert.

 Das letzte Jahr setzte dem chronisch chaotisch internationalen  Haushalt die Krone auf, denn meine Mutter fasste den Entschluss, Germanien den Rücken zu zu kehren und sich, wie wir, bei den Normannen niederzulassen.
Seit dem ist schon gleich gar nichts mehr so wie es vorher war und Dinge wie Regelmäßigkeit, Struktur und Tretmühle sind nicht nur wohlwollende aber unerreichbare Klänge in meinen Ohren, sondern von meinem Leben soweit entfernt wie eine Milchkuh von der Weinerzeugung.
Seit mehr als 12 Monaten ist jeden Tag was anderes los.
Ich muss organisieren, machen, tun, reparieren, holen, bringen, erledigen, spontanen Besuch bewirten, vermitteln, arrangieren und ermöglichen.
Vor ein paar Tagen riss mir die Hutschnur und alle bekamen die Ansage:

Jetzt ist  gut! Ich will mein Leben zurück!

Ich werde also versuchen, das zu tun was meinen Eltern so gut gelungen ist:
ich werde Struktur und Regelmäßigkeit in mein Leben holen.
Ich habe zwar noch keine Ahnung wie, aber Vorsatz ist der erste Weg zur Besserung, nicht wahr?
Die erste Vorgabe an mich selbst:
Jeden Sonntagmorgen meinen Blog auf Vordermann bringen - soviel Zeit (für mich!) muss sein.
Also drückt mir die Daumen.

Einen ganz dicken virtuellen Knutscher an alle, die ihr mir so treu die Stange haltet und hier trotz der langen Stille immer mal wieder vorbei schaut.
Ihr seid das Salz in meiner Bloggersuppe.
Ohne Euch würde mein Bloggersüppchen nur halb so gut schmecken.

Big Bisous Pia





Kommentare:

Kathrin hat gesagt…

Ach Pia, das klingt ziemlich gestresst :-(
Ich hatte mir schon gedacht, dass mit dem Zuzug von Mamalu der Alltag durcheinandergewirbelt wird und du keine Zeit mehr für den Blog hast. Ich hoffe, dass du wenigstens ab und zu eine Auszeit im Blauen Haus einlegst und doch wieder deine persönlichen Freiräume zurückeroberst.

Bis dahin bleib ich deine treue Leserin ;-)
Liebe Grüße
Kathrin

Diana hat gesagt…

so ähnlich hatte ich mir das auch schon gedacht, als du über den Umzug deiner Mutter berichtet hast.
Ich drücke dir die Daumen, dass du wieder mehr Zeit für dich findest.

danamas world hat gesagt…

Das ist jetzt wirklich lustig, aber ich habe tatsächlich erst heute an dich gedacht und mich gefragt, wann ich hir mal wieder etwas zu lesen bekomme. Ich hoffe, du bleibst deinem Vorsatz treu und lieferst uns jetzt wieder mehr von deinen tollen Posts!
Willkommen zurück und ganz liebe Grüße,
Dani

Sonjas Scrapblog hat gesagt…

Ja, genau so hatte ich mir das auch schon gedacht...ich hoffe, dass du dir die Zeit für dich nehmen kannst und ein bisschen was von deinem "alten Leben" wieder zurück bekommst. Ich freu mich auf jeden Fall darauf, wieder von dir zu hören!
Gruß und Kuss,
Sonaj

gaby hat gesagt…

freue mich wieder von Dir zu lesen, ich kann Dir nachfühlen, wie es ist, Kinder, Enkel, Mann, Tiere und Oma unter einen Hut zu bringen - aber Dich kenne, schaffst Du es schon ...

Bonjour Frankreich hat gesagt…

Schön,mal wieder etwas zu lesen

SallyB. hat gesagt…

jetzt sind die Kinder aus dem Haus, nun kommt die Mutter... ;o)

MarionK hat gesagt…

Uih, ich hab schon ewig keine Blogs mehr gelesen und freu mich, dass Du mal wieder was veröffentlicht hast. Gutes Gelingen

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Kommentare salzen meine Bloggersuppe ...

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